Ich beide und sie
(Me, Myself and Irene)

USA 2000, 116min
R:Bobby Farrelly, Peter Farrelly
B:Peter Farrelly, Mike Cerrone
D:Jim Carrey,
Renée Zellweger,
Anthony Anderson
L:IMDb
„Mach schon mal den Po frei.”
Inhalt
Die Welt von Streifenpolizist Charlie Baileygates (Jim Carrey) war noch in Ordnung, als er mit der hübschesten und intelligentesten Frau der Stadt zusammen glücklich war. Doch sie verlässt ihn. Er schluckt seine Trauer statt sie zu problematisierung und entwickelt eine schizophrene Persönlichkeit. Dummerweise verlieben sich nun beide Identitäten in die gleiche Frau, in Irene (Renée Zellweger). Es kommt zum Kampf der beiden konkurrierenden Egos.
Kurzkommentar
Statt erneut den totalen Genitalhumor und damit die sichere Voraussetzung für Erfolg aus dem Ärmel zu schütteln, präsentieren die berühmt-berüchtigten Farrelly-Brüder eine nicht nur stinkdoofe (was für sie ein Prädikat wäre), sondern auch eine stinklangweilige bis peinliche Genre-Mixtur. Der Gnadenpunkt für fähige Darsteller ändert nichts an der Kandidatur zum unnötigsten Film des Jahres
Kritik
Vulgäranarchismus mit merkwürdigem Hang zur Sozialkritik - so könnte man das Komödienprogramm der Farrelly-Brüder betiteln, die mit "Dumm und Dümmer" vor Jahren das Gagniveau enorm vertieften und gleichzeitig den Blick auf gesellschaftlich Isolierte lenkten. Traf die Blödmann-Klamotte mit Jim Carrey genau den Nerv des Publikums, so verschärften die Farrellys 1998 mit "Verrückt nach Mary" die zuweilen genialen Dämlichkeiten noch weiter und landeten erneut einen Riesenerfolg an der Kasse.

Hinsichtlich ihrer nächsten Geschmackskeule war eigentlich nur spannend zu fragen, was, nachdem Sperma schon als Haargel diente, überhaupt noch verwegen "Brilliantes" da drohen mag. Jim Carrey zum zweiten Mal eine Hauptrolle zu geben, schürte die Erwartungen, einen weiteren Massenmagnet zu fabrizieren. Und wohl auch niemand anders außer ihm, dem manischen Grimassenschneider, der sich kürzlich in "Man on the Moon" endgültig als großer Darsteller bewies, wäre die Rolle eines Schizophrenen in einer Farrelly-Produktion zuzutrauen gewesen. Dass "Me, Myself & Irene" an der US-Kasse dennoch desaströs abstürzte, hat einen einfach Grund: zwar steht Farrelly drauf, ist aber nicht in gewohnter Konsequenz drin. Unverständlicherweise lassen die Brüder ihr Erfolgsrezept des debilen Genitalbrüllers insofern fallen, als sie eine Genre-Mixtur aus Romanze, Actionfilm, Slapstick und gewohnten Farrelly-Derbheiten wagen. Und kein Element geht auch nur ansatzweise auf.

Dass der Faden der Haupthandlung ohne jedes Interesse ist und in einem Farrelly-Film sowieso bloß die Pause bis zum nächsten Schlag unter die Gürtellinie füllt, war bewusst, dass aber dieser nicht erfolgt, wiegt schwer. Weder bombadiert "Ich, beide & Sie" den Zuschauer mit Situationsklamauk noch mit Spannung, Romantik oder sonstwas. Dieses verhunzte Stück Zelluloid wirkt wie ein Zeugnis Farrellyscher Demotivation, scheinbar ohne Plan abgekurbelt. Nur en passant bricht das Erwartete durch, wenn Carrey mal in Nachbars Garten scheißt, versucht eine Kuh zu erwürgen oder wenn Hühner in Ärschen stecken. Aber selbst in solchen Szenen entfährt einem nicht mehr als vielleicht ein angewidertes Schmunzeln.

Wo die Plattheiten von "Verrückt nach Mary" noch für Unterhaltung sorgte, klafft hinter dem Titel von "Ich, beide & Sie" nur noch peinliche Langeweile. Es scheint, als hätten die Farrellys ihr schweinisches Pubertieren selbst satt und sich von ihm zu befreien versucht, aber das Stigma haben sie jetzt. Schämen müssten sich auch die Darsteller; nicht, weil sie schlecht spielen, sondern weil sie für diesen nichtigen Quatsch einfach zu gut sind und hier mitwirken. Hinter der eindimensionalen Puppenrolle von Renée Zellweger bricht ab und an ihr wirkliches Können durch und Carrey zappelt in begnadeter Manier und perfekter Körperkontrolle quer über die Leinwand. Wieso sich aber ein Darsteller mit seinen Qualitäten nach "Truman Show" und eben "Man on the Moon" so weit degradiert, dass er in "The Grinch" demnächst noch ein grünes Monster spielt, bleibt ein Rätsel. Die Suche nach größtmöglicher Herausforderung kann kaum die Antwort sein. Einzig lohnenswert, aber nicht rechtfertigend, ist der Einfall im Abspann - es bis dahin auszuhalten, ist langweilige Zumutung genug.

Differenzierter Carrey erstickt unter langweiliger Geschmacksstrapaze


Flemming Schock