Partyalarm - Finger weg von meiner Tochter
(My Boss's Daughter)

USA 2003, 85min
R:David Zucker
B:David Dorfman
D:Ashton Kutcher,
Tara Raid,
Molly Shannon,
Terence Stamp
L:IMDb
„Es war uncool, die halbe Hütte vollzupinkeln”
Inhalt
Der junge Angestellte Tom Stansfield (Ashton Kutscher) ist bisher vom Glück bei den Frauen nicht gerade verfolgt gewesen. Ausgerechnet in die Tochter (Tara Reid) seines zynischen Bosses (Terence Stamp) verguckt er sich. Durch ein Missverständnis wird Tom zum Hüter des Hauses und der geliebten Eule seines ordnungsfanatischen Bosses, da dieser verreist. Doch Tom bleibt nicht lange alleine und das Haus nicht unversehrt.
Kurzkommentar
Das einzig Bemerkenswerte an dieser abgeflachten Screwballklamotte ist der Name des Regisseurs, dessen Einblendung am Ende des Films überrascht. David Zucker („Die nackte Kanone“) kam nie schlechter aus dem Quark. „Partyalarm“ klingt wie eine Drohung, aber die Komödie schleppt sich bloß mit harmlos-dummer Szenenkomik voran, die mangelnde Dialoge, Plot, Romanze und Gagdichte schließlich mit dem peinlichen fäkalhumorigen Rettungsanker auszugleichen sucht. Dann will man aber nur noch Gnade.
Kritik
Auch Blödsinn tut viel für die Filmgeschichte. Wenn es auf die Frage kommt, wessen Filme der größte, aber ehrlichste Stuss sind, dürften sofort die Namen Jim Abrahams und David Zucker fallen. Manche halten sie für genial, weil sie ein oft kopiertes Prinzip erfunden und bis zum Extrem getrieben haben: der Plot ihrer Filme ist unerheblich, wichtig ist allein, den trotteligen Hauptakteur von einer absurden Situation in die nächste stolpern zu lassen und dabei die Gagdichte pro Szene durch Vorder- und Hintergrundnutzung bis zum Letzten auszureizen. „Airplane“ und „Top Secret“ drehten Zucker und Abrahams in den 1980ern noch zusammen, dann bekam Zucker als Regisseur im Alleingang 1988 für „Die nackte Kanone“ das Prädikat für den genialsten Nonsens; Abrahams zog 1991 mit der Militärparodie „Hot Shots“ nach.

Getoppt haben sich beide seitdem nicht mehr. Abrahams scheint nach dem Nachladen mit „Hot Shots 2“ weg vom Fenster, nur Zucker wird immer wieder engagiert, wenn es darum geht, der Konkurrenz aus dem Klamottenfach zu zeigen, was Unfug, der den Geschmack der Masse trifft, wirklich heißt. Besonders geeignet ist dafür ja die „Intertextualität“ des Films oder die Parodie: „Die nackte Kanone“ zog alle nur vorstellbaren und unvorstellbaren Szenen klassischer Polizeistreifen durch den Kakao, was Keenen Ivory Wayans im Jahre 2000 dann auf die Idee brachte, mit „Scary Movie“ die Klassiker des gesamten Films, besonders aber die des Horrorgenres auf die Schippe zu nehmen. Das Konzept wurde ein Riesenerfolg, „Scary Movie 2“ ging allerdings auch an der Kasse die Luft aus und Zucker wurde kürzlich nun als Regisseur von „Scary Movie 3“ mit der Wiederbelebung der Serie betraut. Zumindest in Deutschland wurde der dritte Teil ein Renner und so darf Zucker auch den vierten drehen.

Schon vor „Scary Movie 3“ drehte Zucker nun eine – natürlich – Klamotte, die nachträglich ins Kino kommt und dabei schon durch den deutschen Titel zur Bedrohung wird: „Partyalarm“, im Original harmlos „My Boss´s Daughter“. Dabei standen die Zeichen für amüsanten Stuss ja gar nicht mal schlecht, denn neben Zucker als Garanten sicherten sich die Produzenten noch David Dorfman als Drehbuchautor, auf dessen Konto immerhin die erfolgreiche „Wutprobe“ geht. Das Ergebnis bestätigt allerdings die Befürchtungen der Titelassoziationen, allerdings nicht in der Form, dass der „Partyalarm“ regulär vulgärer Teenieklamauk wäre. Hier leitete auch schon der Originaltitel ein wenig in die Irre, denn die Beziehung zur Tochter „des Bosses“ ist nur dekoratives Aufhängeelement für das Zucker-Prinzip: Der Plot ist so dämlich wie zweitrangig, dient nur als Kulisse.

Der junge Tom, gespielt von einem mäßig komischen Ashton Kutcher, wird im Zuge eines Missverständnisses zum Eulenhüter im Hauses des überpeniblen Bosses degradiert und schon nimmt das Unheil, sprich die unvermeidliche Zerstörungsorgie, ihren Lauf, gegen die sich Tom ohnmächtig zu verteidigen sucht. Mehr Hintergrund hätte ein Zucker-Film auch nicht gebraucht, wenn er in gewohnter Maschinengewehrmanier die Gags abgefeuert und jede Sekunde mit mehr und mehr Chaos fühlt. Anfänglich geht das Konzept dann auch halbwegs auf, ist es durchaus spaßig, dem Zerstörungswerk am septischen Edelhaus beizuwohnen, mehr als die gewohnten situativen Albernheiten, die Tom von einem Fettnäpfchen in das nächste, noch größere treten lassen, werden aber nicht geboten. Zweierlei ist auffällig und machen „Partyalarm“ zum sicher lahmsten Zucker-Film bisher: Wird dessen Name als Regisseur erst in den Credits am Ende eingeblendet, nimmt es Wunder, denn die dünne Gagdichte ist absolut Zucker-untypisch.

Zum anderen sind die Dialoge, insofern sie für die Slapstickschoten überhaupt wichtig sind, meilenweit entfernt von der debilen Größe einer „Nackten Kanone“. Ziemlich schnell fällt „Partyalarm“ dem eigenen begrenzten Szenario zum Opfer. Wenn dann gar nichts mehr geht, fährt Zucker die fäkalhumorige Schiene, übrigens der höchst peinliche Part des jenseits von „Kill Bill“ von arbeitslosen Michael Madson. Selbst ein ehemals respektabler Schauspieler wie Terence Stamp wird ihr gegen Ende gnadenlos zum Opfer gebracht. Hier ist Zucker nur noch ein armer Gipfel seiner selbst und gewisse urinale Momente sind auch für alle Mitwirkenden peinlich. Überwiegend ist „Partyalarm“ aber für den Hintergrund des Regisseurs ein viel zu zahmer Blödsinn, der amüsieren mag, ohne je richtig zu zünden.

Ordinäre Screwballklamotte mit zunehmend peinlichen Einfällen


Flemming Schock