Underworld

USA, 118min
R:Len Wiseman
B:Kevin Grevioux, Len Wieseman, Danny McBride
D:Kate Beckinsale,
Scott Speedman,
Shane Brolly,
Michael Sheen,
Billy Nighy
L:IMDb
„Whether you like it or not, you're in the middle of a war that has been raging for the better part of a thousand years.”
Inhalt
Seit Jahrhunderten tobt ein Krieg der Kreaturen, dessen Ursprünge im Dunkel der Vergangenheit liegen und der mit modernsten Waffen in die Neuzeit getragen wurde. Auf der einen Seite eine Gruppe mondäner Vampire, denen sich die gefährlich schöne Kriegerin Selene (Kate Beckinsale) unter der Führung des machthungrigen Kraven (Shane Brolly) angeschlossen hat - auf der anderen Seite eine Bande brutaler Werwölfe, deren Anführer Lucian (Michael Sheen) kompromisslos Jagd auf Blutsauger macht. Ausgetragen wird der zermürbende Kampf nicht mit Holzpflöcken oder Kreuzen, sondern mit Kugeln aus Silbernitrat oder ultraviolettem Licht. Doch das Gleichgewicht der verfeindeten Lager schwankt, als ein gewöhnlicher Mensch zwischen die Fronten gerät. Selene wird Zeugin, als die Werwölfe mit Michael Corvin (Scott Speedman) ohne Grund einen Mensch aus Fleisch und Blut ins Visier nehmen. Doch selbst nachdem sie Michael vorübergehend in Sicherheit bringen kann und sich wider Willen in diese mysteriöse Schlüsselfigur zu verlieben beginnt, kann sie nicht verhindern, dass Michael von einem Werwolf infiziert wird. Und während das Duell der Nachtgeschöpfe im Untergrund der Stadt eskaliert und mit dem mumifizierten Viktor (Bill Nighy) ein übermächtiger Vampirfürst erweckt werden muss, beginnt Selene die schrecklichen Hintergründe der Fehde zu erahnen.
Kurzkommentar
»Underworld« erscheint als ernstgemeinte Version von »Blade«, mit allen Vor- und Nachteilen. Auf der Haben-Seite kann der Film die gelungene Visualisierung verbuchen, muss sich aber das Verfallen in Stereotypen sowie mangelnde Innovation vorwerfen lassen.
Kritik
Aristokratisch-bleiche Vampire, animalisch-sehnige Werwölfe - die Fronten sind klar, die Gegner eindeutig charakterisiert, allerdings dennoch eher einfallslos gezeichnet. Gerade im Auftreten und Aufeinandertreffen der gegeneinander kämpfenden Rassen zeigt sich, wie ausgesaugt das Genre eigentlich ist: Beissen hier, Hightech-Silbernitrat-Kugeln dort, dazu natürlich ein wenig Matrix-verbesserte Athletik, das ist das Standard-Programm, und in diesem Fall ganz auffällig an die »Blade«-Reihe angelehnt. Auch die Handlung überrascht den wendungsgewohnten Zuschauer heutzutage nicht mehr, zumal dieser stets vor den Filmfiguren weiss, was sich ereignen wird - das ist zwar ein klassische, spannungsförderndes Hitchcock-Credo, funktioniert aber nur, wenn man sich angemessen mit einer Seite identifiziert und sich um deren Wohlergehen sorgt. Aber wie sich das heutzutage gehört, wechseln die Fronten im Verlauf des Films, die vermeintlich Guten werden zu Bösen und umgekehrt, und überhaupt: Kate Beckinsale sieht zwar hübsch aus in ihrem Latexkostüm, ihr allzu verbissener, leidenschaftsloser Charakter erweckt aber so gar keine Sympathiegefühle.

Ob sich Autor und Regisseur Wiseman der Tatsache bewusst war, dass der Film seine Protagonistin nachhaltig demontiert? Denn am Ende ist Selene das vollkommen überflüssige Relikt eines sinnlosen Krieges, was ja fast schon interpretatorische Strahlkraft auf die reale Welt vermuten lässt. Allerdings macht es sich in diesem Zusammenhang dann doch unangenehm bemerkbar, dass nicht nur der Regisseur mit der Hauptdarstellerin verlobt ist, sondern am Schluss, wenn sich alle richtig ausgetobt haben und so ziemlich jeder jeden erschossen, gebissen und gevierteilt hat, die wohlig unangenehm-fatalistische Atmosphäre hinterrücks von einem Kitsch-Ende gemeuchtelt wird.

Apropos Hauptdarsteller: Der Film ist zwar sehr ordentlich besetzt, letzlich aber nur mittelmäßig gespielt: Kate Beckinsale beschränkt sich aufs grimmig Dreinschauen, Shane Brolly aufs aristokratisch Aussehen, die anderen aufs böse Sein. Das passt sehr gut zu dem Film, bringt dem Zuschauer aber keine sonderlichen Glücksmomente.

Das Gegenteil gilt da schon wieder für die atmosphärische Inszenierung: Ganz im Neo-Gothic-Stil gehalten, angesiedelt in der zeitlosen, immernassen, dunklen Stadt, sehr sauber inszeniert und choregraphiert, kann der Film in den Bereichen Stimmung und Stil punkten. Auch das fast durchgängige Schwarz-Weiss-Blau passt zur Atmosphäre und unterstützt den Film, wo sonst Farbreduktionen eher fragwürdig ausfallen. Letztlich bleibt also ein überwiegend ideenloser, optisch aber beeindruckender Vampir-Slasher, der für Freunde des Genres sehenswert, ansonsten aber reichlich überflüssig ist.

Stylisher, aber ideenloser Vampirslasher - irgendwie blutleer


Wolfgang Huang