Timeline

USA, 116min
R:Richard Donner
B:Michael Crichton,Jeff Maguire
D:Paul Walker,
Frances O'Connor,
Gerard Butler,
Billy Connolly
L:IMDb
„Sehen wir aus wie Quantenwurmlochspezialisten?”
Inhalt
Eine Gruppe junger Archäologen unter Leitung des Historikers Professor Johnston (Billy Connolly) arbeitet an einer Ausgrabungsstätte im französischen La Roque, wo im 14. Jahrhundert der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich tobte. Während einer Ausgrabung findet das Team unerwartet die Brille des Professors in einer unterirdischen Kammer, die seit Hunderten von Jahren verschlossen war. Der Professor selbst ist angeblich in New Mexico bei den Geldgebern des Forschungsprojektes. Sein Sohn Chris (Paul Walker) wendet sich daraufhin an die Sponsoren und muss mit Erschrecken feststellen, dass sein Vater mit einer kuriosen Maschine, der bahnbrechenden Erfindung des Forschers Doniger (David Thewlis), direkt ins Jahr 1357 befördert wurde und dort offensichtlich in Schwierigkeiten steckt. Ohne lange zu überlegen, wird die Rettung beschlossen.
Kurzkommentar
Umsetzungen gelungener Michael Crichton-Romane bergen mittlerweile ein ziemliches Drohpotential. Mit „Timeline“ betreibt der alternde Actionspezialist Richard Donner („Lethal Weapon“) veritable Rufschädigung. Weitgehend spannungs- und sinnfrei lässt „Timeline“ ein gewaltiges Budget verpuffen, verbockt Crichtons spannende Vorlage und bietet nicht mehr als chaotischen bis lausigen Mittelalter-Rummel mit zweitklassiger Besetzung.
Kritik
Dass beide auf der Höhe des Kinoerfolges standen, scheint auch schon von gestern. Dem schon 74-jährigen Richard Donner will es nicht mehr so recht glücken und Michael Crichton ist und bleibt, sicher zu unrecht, für viele auf ewig der „Dino Park“-Autor. Donner kochte vor über fünf Jahren mit „Lethal Weapon 4“ fade noch einmal jene Serie auf, die ihn, auch das ist Geschichte, irgendwann in den 1980er Jahren groß gemacht hatte. Dann kamen noch weitere Streifen, aber seit 1998 war „kreative Pause“. Sie hätte noch länger dauern sollen. Dabei schien alles im Trockenen, denn auf Michael Crichtons routinierte Romanvorlagen ist im Grunde ja Verlass. Und doch tut sich ein Dilemma auf: Wohl ist der 62-jährige Crichton ohne Frage zu Recht einer der profiliertesten amerikanischen Gegenwartsautoren. In seinen technologischen Zukunftsthrillern vereint er straffe Spannungsbögen mit täuschend echtem Science-Fiction-Geschwafel zu einer oft brisanten Mixtur.

Reale Diskussionen um die Konsequenzen aktueller technologischer Errungenschaften werden in Wissenschaftserwartung fortgespinnt, das ist Crichtons Programm. Wie effektiv das sein kann, bewies seinerezeit die Hysterie um „Jurassic Park“, um Dinos und die phantastischen Möglichkeiten der Gentechnologie. In „Beute“, Crichtons aktuellem Roman, hat es im die Nanotechnologie angetan. Ob auch dieses, von der Kritik gelobte Buch, überhaupt irgendwann zum Film wird, dürfte nach der Bilanz der Crichton-Verfilmungen nun fraglich sein. Man mag von Steven Spielbergs CGI-Meilenstein „Jurassic Park“ absehen, aber die Tendenz der zahlreichen anderen Crichton-Adaptionen lautet eindeutig: immer schlechter. Erinnert sei hier nur an „Congo“ (1996), die einfallslose „Jurassic Park“-Fortsetzung (1997), „Sphere“ (1998) und den „13. Krieger“ (1999). Am Vermurksen des Letzten trug der Gelegenheitsregisseur Crichton („Der große Eisenbahnraub“) dann auch noch selbst die Verantwortung.

Ein gutes Buch macht noch keinen guten Film. In diesem Drift markiert die 80-Millionen-Dollar-Produktion „Timeline“ den ärgerlichen Zenit. Für Crichton wird das als Autor kaum Konsequenzen haben, Richard Donner wird sich hingegen wünschen, selbst eine Zeitmaschine zu haben und das Projekt niemals angegangen zu sein. Es ist das typische Bild: Crichtons Vorlage aus dem Jahre 2000 trug um der doppelten Verwertbarkeit willen überdeutliche Drehbuchneigungen, war mit der Zeitreisethematik sicher nicht originell, aber keineswegs schlecht. Im Gegenteil. „Timeline“, die Reise einer Gruppe junger Archäologen und Historiker ins Frankreich des 14. Jahrhunderts, war ein fesselnder Zeit- und Kulturclash. In gewohnt souveräner Manier hob Crichton durch ernste Pseudo-Fachsimpelei das Beamen ins Mittelalter auf die Stufe der Glaubwürdigkeit. Überhaupt nahm die Diskussion der Sache im Buch einen breiten Raum ein. Die Charaktere waren holzschnittartig, aber funktional. Insbesondere die Beschreibung der Stille der vorindustriellen Welt gelang.

Was Richard Donner aus diesem Angebot für die Leinwand zusammengeschustert hat, hat Crichton nicht verdient. Es ist inszenatorisch und dramaturgisch „finsteres Mittelalter“. Ungeachtet inhaltlicher Schnitzer fängt die Fehlkalkulation im großen Rahmen schon bei der Besetzung an, die gleichzeitig schon die Essenz des Streifens ausmacht: Beachboy Paul Walker („The Fast and the Furious“) wirft sich die mittelalterliche Kutte über und surft auf der Quantenwurmlochwelle zurück in den Hundertjährigen Krieg. Das und alle Wurzeln des Konflikts bleibten in Donners Filmchen aber ebenso unerläutert wie das Hochmittelalter an sich, das bloß als billige, völlig beliebige Kulisse für eine bald langweilige Ritter-Abenteuer-Szenerie, also für das herhalten muss, was dem Klischee nach richtig dreckiges Mittelalter und gleichzeitg romantisch ist. Neben Walker rekrutierte Donner weitere Nobodys, allerdings fragt man sich, was die talentierte Frances O´Connor („Mansfield Park“, „Ernst sein ist alles“) in deren Reihen verloren hat.

Bis die Archäologen zu Waffenbrüdern werden, dauert nicht lange, denn Donner legt von Beginn an ein überraschend liebloses, dilettantisches Tempo vor. Die Figuren werden behelfsmäßig eingeführt, es folgen am französischen Ausgrabungsort ein paar geschichtsphilosophische und historische Albernheiten („Das ist total ungewöhnlich für diese Periode“). Für das folgende Dialogniveau steht damit das Schlimmste zu befürchten und Crichton dürfte sich beschämt gefragt haben, wie Drehbuchautor Jeff Maguire („In the Line of Fire“) seinen Roman so verwüsten konnte. Um die Mittelalter-Experten nun möglichst schnell in die Epoche ihres Interesses zu beamen, bedarf es noch der dubiosen wie skrupellosen Quantenwurmlochexperten, die den Professor, wieso auch immer, im Jahre 1357 steckgelassen haben. Nach einigem Gewäsch über Maschinen, Spiegel und DNA-Sequenzen – das von Crichtons Phantasie nur das Lächerliche lässt – wird die fesch kostümierte Rettungstruppe also auf dem Zeitstrahl mit schalen Effekten zurückgefaxt.

Hier geht der in Crichtons Vorlage so reizvoll entwickelte Gedanke, wie die kulturell-historische Differenz vom 14. und 20. Jahrhundert wahrgenommen und bewältigt würde, im billigen, allenfalls mittelmäßigen Schlachtengetümmel unter. Crichtons zugegebenermaßen nicht aufregend substanzvolles Buch wird noch weiter erleichert und von Richard Donner zum geistlosen Popcorn-Mittelalter zurechtgestutzt, in dem alles stilecht flüchtenswert und sinnfrei ist. So spielt es keine Rolle, wieso sich französische Recken und englische „Raubritter“ dezimieren, Hauptsache, die Gebeamten finden Szenen genug, sich der Kurzlebigkeit im Mittelalter zu versichern. Das ist, was eine spätere Belagerungsszene angeht, handwerklich noch solide, aber „Timeline“ ist ein definitives B-Movie mit einem A-Movie-Budget. Das gewaltige Budget verlor sich in einem Zeitloch, man sieht es in jedem Fall nicht. Zuletzt bedeutet die Beammaschine für den Bösewicht die Zeitreise als Einbahnstraße und die letzten, kitschigen Szenen sorgen dann für ein dreifaches Verdikt: „Timeline“ ist bei weitem Donners schlechtester Film, die mieseste Crichton-Adaption und auch für Paramount ein mittleres Debakel.

Die neue Bestmarke routinierter Crichton-Verstümmelung


Flemming Schock