Agent Cody Banks

USA, 102min
R:Harald Zwart
B:Jeffrey Jurgenson, Ashley Miller, Zack Stentz
D:Frankie Muniz,
Hilary Duff,
Angie Harmon,
Keith David
L:IMDb
„Creepy? We're the CIA, creepy is what we do”
Inhalt
Sein Name ist Banks – Cody Banks (Frankie Muniz) und alle halten ihn für einen ganz normalen Teenager. Aber Cody hat ein Geheimnis: Er wurde von der CIA zum Teen-Agenten ausgebildet und bekommt seinen ersten Auftrag: Er soll sich mit seiner Mitschülerin Natalie (Hilary Duff) anfreunden, um ihren Vater auszuspionieren, der eine Entdeckung gemacht hat, die den Planeten auslöschen könnte. Cody ist zwar ein Topagent, aber in Bezug auf Mädchen ist er leider eine totale Niete.
Kurzkommentar
Harald Zwart, noch durchaus ambitioniert zu Werke gehend bei seinem letzten Film "Eine Nacht bei McCool's", inszeniert mit "Agent Cody Banks" eine lahme, ganz und gar uneigenständige Variante der bekannten James Bond-Formel. Indem er die gewohnten Schemata lediglich auf die Teenagerwelt überträgt, dabei aber weder parodistische noch fantasievolle Modifikationen vornimmt, gerät sein Agentenfilm, optimistisch formuliert, zu wirklich, sehr, sehr seichter Unterhaltung, pessimistisch betrachtet, zu einem ziemlichen Langeweiler.
Kritik
Schon bevor Mike Myers als „Austin Powers“ die Agentenwelt im hippen 60‘s Style auf die Schippe nahm, war die immens erfolgreiche James Bond-Reihe vor keiner Parodie sicher. Schon 1966, einem Zeitpunkt an dem die Produzenten wohl nur die Bond-Filme „Dr. No“, „From Russia with Love“ und „Goldfinger“ gesehen haben konnten, kam mit „Our Man Flint“ (bei uns „Derek Flint schickt seine Leiche“) eine Persiflage auf die Sean Connery-Filme heraus, damals mit James Coburn in der Hauptrolle. Wie Myers mittlerweile dreiteilige Reihe war auch die Parodie um Flint damals recht erfolgreich, denn mit „In Like Flint“ folgte ein Jahr später schon die Fortsetzung. Und jetzt, wo es bereits satte zwanzig Bond-Filme zu bestaunen gibt, nimmt die Flut an „Spoofs“ nur noch zu. Denn wo auch noch der dritte Teil der „Austin Powers“-Reihe saftige Summen einzuspielen vermag und Robert Rodriguez mit seiner nun ebenfalls drei Filme umfassenden „Spy Kids“-Reihe kleine Rekorde aufstellt, lässt sich auch das Bond-Studio selber, MGM, die sichere Kasse nicht entgehen.

Was aber bei Rodriguez vor allem im zweiten „Spy Kids“-Teil noch blendend funktioniert hat, die comicartige Überhöhung des Sujets, die überbordende Fabulierlust sowie die zahlreichen, durchaus liebevollen Filmreferenzen, gerät in Harald Zwarts „Agent Cody Banks“ zur simplen Variation der allzu bekannten Bond-Formel. Hier stammt wirklich alles aus dem Lehrbuch für englische Agentenfilme, ist ein Hauch von Eigenständigkeit oder gar Innovation in keiner Sekunde zu spüren. „Agent Cody Banks“ bezieht seinen Witz und damit auch seine Existenzberechtigung einzig und allein aus der Ummünzung des Bond-Schemata auf die Kinder-, pardon, Teenagerwelt. Vom naiven, von den Bösewichtern missbrauchten Wissenschaftler über deren stilechtes Geheimversteck bis hin zur Rettung des Mädchens (und natürlich der Welt) läuft einfach alles so ab wie in einem „großen“ Bondfilm, aber da Zwart den nötigen, parodistischen Charakter viel zu zaghaft aufbaut und die Gags allzu konventionell und fantasielos geraten sind, vermag „Agent Cody Banks“ sich kaum von seinen Vorbildern abzuheben. Selbst in Details wie den berühmten Gadgets: eine Uhr, die Stromschläge verpasst, eine temperatur-sensitive Brille, ein Multifunktions-MP3-Player (ein Apple iPod, um genau zu sein; selbst beim Product Placement steht Banks seinem Vorbild in nichts nach), das ist alles nicht zum ersten Mal da. Und zudem schon mal gewitzter präsentiert worden.

Trotzdem es auch einige unterhaltsame Momente gibt und „Banks“ einige amüsante Nebenfiguren zu bieten hat (etwa der, wenn auch leicht diskriminierende, asiatische Fahrschullehrer oder der militante General mit seinen unschlagbaren Tipps, an Mädchen heranzukommen), ist aus „Agent Cody Banks“ pure Konfektionsware geworden. Was an Potenzial da war, wurde größtenteils verschenkt (die „Ausbildung“, mit Mädchen umzugehen und zum Geburtstag eingeladen zu werden), was vorhanden ist, bleibt lediglich leidlich unterhaltsam. Zudem vermittelt auch „Cody Banks“ reichlich reaktionäre Wertvorstellungen, ob nun das konservative Männer- und Frauenbild oder das seltsame, pädagogische Verständnis. Natalie beginnt Cody erst dann zu mögen, wenn er sich als „echter Mann“ beweist, also sowohl die quengelnde Schulgang mit seinen Martial Arts-Mätzchen verprügelt oder das Fahrschulauto zu Schrott fährt. Und, zwar ist er bereits als Dreizehnjähriger zum professionellen CIA-Agenten ausgebildet worden und darf die heikelsten Einsätze bestreiten, eine „Nanny“ in Form der hier schamlos verheizten Angie Harmon (noch sehr liebenswert in „Good Advice“) steht ihm aber trotzdem andauernd zur Seite.

Solche Elemente unterstreichen nochmals die Formelhaftigkeit des hier praktizierten Filmemachens, den seelenlosen, rein auf die „Wünsche“ des Zielpublikums zurecht geschnittenen Inhalt. Es ist wahrlich nicht neu, das der gemeine Hollywood-(Kinder-)film auf diese Weise funktioniert und diese, offenkundig naive wie harmlose Absicht, unterhalten zu wollen, nicht unmittelbar zu verurteilen. Aber das heißt ja nicht, dass man den Film weiterempfehlen muss.

Fantasielose Teenager-Variante des bekannten James Bond-Schemas


Thomas Schlömer