Scary Movie

USA, 88min
R:Keenen Ivory Wayans
B:Shawn Wayans, Marlon Wayans
D:Jon Abrahams,
Rick Ducommun,
Carmen Electra,
Shannon Elizabeth
L:IMDb
„Uh, soll ich jetzt schreien?”
Inhalt
Drei Teenagerpärchen sind verantwortlich für den Tod eines Mannes auf einem einsamem Highway. Im Sommer darauf macht ein Killer den Campus ihrer Schule unsicher - und hat es offensichtlich auf die sechs Jugendlichen abgesehen. Vor allem die spröde Jungfer Cindy Campbell (Anna Faris) wird wiederholt attackiert, so dass sie den Verdacht nicht abschütteln kann, der Killer käme aus ihrem unmittelbaren Bekanntenkreis.
Kurzkommentar
In der Tradition der unerreichten "Nackten Kanone" spulen die Brüder Wayans über weite Strecken gelungen-persiflierende, wenn auch nicht immer originelle, Horroralbernheiten ab. Oftmals ist die Gagdichte wirklich beachtlich, leider auch beinahe genauso oft von flachen Witzeleien gebeutelt. Trotzdem mal wieder seit langer Zeit eine bemühte und gagreiche Filmparodie, die die 150 Mio. $ Einspielergebnis vor allem seiner Kompromißlosigkeit zu verdanken hat.
Kritik
Glaubt man den amerikanischen Kritikern so fällt es bei einer astreinen Parodie wie "Scary Movie" besonders schwer, fair zu beurteilen. Zu wenig objektive Kriterien würde ein solcher Film bieten, zu sehr eine reine Geschmacksfrage. Dabei ist das Aussprechen einer Empfehlung eigentlich ganz einfach: man zieht vergleichbare Filme heran und wer damit etwas anfangen konnte, liegt auch bei "Scary Movie" vollkommen richtig. Da wären zum einen die unzähligen Zucker-Abrahams-Zucker Produktionen, die man zwecks Vergleich jetzt einmal alle in einen Topf wirft: die Klassiker wie "Unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" und "Unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone", die "Nackte Kanone"-Reihe, die beiden "Hot Shots"-Filme sowie diverse trashige Ableger wie "Mafia!" oder "Zwei mal Zwei".

Wie schon bei den filmparodierenden Vorbildern, kommen auch bei "Scary Movie" hauptsächlich die Zuschauer auf ihre Kosten, die die gerade veralberten Szenen aus diversen Blockbustern wiedererkennen. Bei dermaßen erfolgreichen Filmen wie "Scream", "Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast", "Blair Witch Project", "Sixth Sense", "Matrix" oder "Die üblichen Verdächtigen" dürfte das angepeilte Publikum nicht allzu klein sein, zumal sowohl die Originale als auch diese Parodie wohl eine Zielgruppe gleichen Alters haben. "Scary Movie", seinerzeit der Arbeitstitel für Wes Craven's ersten "Scream", spart gerade zu Beginn auch keine Anspielung aus und sorgt für einige echte Brüller. Die beinahe 1:1 Umsetzung der Pre-Credit Sequenz von "Scream" ist bis in letzte Detail durchdacht und kann in Sachen Einfallsreichtum und Gagdichte locker mit beliebten Vorbildern wie "Die Nackte Kanone" mithalten.

Wie leider nicht anders zu erwarten, kann aber auch "Scary Movie" sein Gagniveau nicht über 90 Minuten halten und stützt sich im Laufe des Films mehr und mehr auf platte Sex-Witzchen oder wenig amüsante Mißgeschicke. Beispielsweise ist die Idee des verkappten, schwulen Ray zu Beginn noch recht witzig, läuft sich aber mehr und mehr breit. Glücklicherweise geht der Parodiecharakter (im Gegensatz zu "American Pie" oder "Road Trip") aber soweit, daß sich der Film manchmal gar selber auf die Schippe nimmt. Die beschwingte Ironie bleibt nie aus, was besonders in den Szenen, in der der Maskenmann rätselnd vor seinen herumhampelnden, durchgeknallten Opfern steht, zum Vorschein kommt. Die Veralberung der erwähnten Blockbuster ist meist gelungen eingebaut; mit den "Matrix"-Szenen hat man es trotzdem etwas zu gut gemeint, aber was soll's. Der zunächst geschmacklose Einsatz des Idioten Doofy wird im Gegenzug mit einer passenden Einlage "Usual Suspects" wieder wett gemacht. Und das, obwohl Charaktere, Story oder Dramaturgie in einer Parodie eigentlich überhaupt keine Rolle spielen - die Schauspieler, allen voran American Pie's Shannon Elizabeth oder Playmate Carmen Electra, brauchen "nur" vollkommen durchgedreht und wohlproportioniert durch die Gegend zulaufen. Das ist jetzt kein Kritikpunkt, denn so erfüllen sie ihren jegliche Teenie-Filme persiflierenden Charakter einfach am besten.

Insgesamt haben sich die drei Brüder Shawn (der schwule Ray, auch Drehbuch), Marlon (der kiffende Shorty, ebenfalls Drehbuch) und Keenen Ivory Wayans (Regie, "Mister Cool") viel Mühe gegeben. Und auch wenn "Scary Movie" über die volle Laufzeit nicht mit der hochqualitativen Gagdichte der besseren Zucker-Abrahams-Zucker Produktionen mithalten kann, so ist er allemal eine gelungenere Parodie als billige Nachkömmlinge wie "Hot Shots 2" oder "Mafia!". Fans dürfte er somit mehr als zufriedenstellen und höhere Ziele hatten die Brüder Wayans wohl auch nicht.

Ordentliche bis einfallsreiche, aber unausgewogene Horrorparodie


Thomas Schlömer