Save the last dance

USA
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Thomas Carter
B:Duane Adler
D:Julia Stiles,
Sean Patrick Thomas,
Kerry Washington,
Fredro Starr
L:IMDb
„Ja, der Club war cool! - Und nur Schwarze da? Gab's auch 'ne Schießerei? - Ach was, ich bin doch nicht nach Bosnien gezogen.”
Inhalt
Weiß und schwarz, Kleinstadt und Metropole, Hip-Hop und Ballett prallen aufeinander. Die junge Sara (Julia Stiles, "10 Dinge, die ich an Dir hasse") kommt nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter in eine für sie völlig fremde Welt. Auf ihrer neuen Schule ist sie fast die einzige Weiße und alles hier scheint vom Rhythmus des Hip-Hop bestimmt. Derek (Sean Patrick Thomas, "Eiskalte Engel"), Kronprinz des Stepps Clubs, macht sie vertraut mit den Geheimnissen des Hip-Hop und weckt dabei auch ihre verloren geglaubte Liebe zum Ballett wieder. Schritt für Schritt, Beat für Beat kommen sich Derek und Sara näher, müssen aber bald feststellen, das diese Beziehung auf heftigen Widerstand in ihrem Umfeld trifft.
Kurzkommentar
Trotz der abgenutzten Grundidee gelingt Regisseur Thomas Carter ein überraschend ansprechendes Teeniedrama, das dank seines ruhigen Erzählrhythmus' und der liebenswerten, lebensnahen Charaktere genau die richtige Mixtur für einen entspannten Kinoabend bietet.
Kritik
Oh nein, nicht schon wieder so eine konturlose Durchschnittsromanze, nicht schon wieder Ballett als Zeichen der Selbstverwirklichung, nicht schon wieder Highschool-Ambiente. Die Zeichen für "Save the last Dance" standen schlecht in irgendeiner Weise aus dem Meer an eher zu belächelnden Tenniedramen Marke Hollywood herauszuragen, geschweige denn in einem Aspekt zu beeindrucken. Aber was Thomas Carter ("Metro", "Swing Kids") aus dem durch und durch mittelmäßigen Ansatz herausholt, ist erstaunlich.

Selten, wirklich selten ist es vorgekommen, daß ein Film derart oberflächlich scheint und trotzdem zu berühren vermag. Denn "Save the last dance" setzt nicht auf den erwarteten, billigen Tränendrüsen-Effekt, sondern begegnet uns stattdessen sympathisch, realistisch, ehrlich. Beispiel: Es stellt sich heraus, daß Nikki, gerade mal 17 und natürlich noch auf der High-School, schon ein Kind hat - ungewollt natürlich. Den Vater, kaum älter als Nikki, kümmert das scheinbar wenig, aber nicht, weil er einer dieser typisch-gewissenlosen Jugendlichen ist, sondern weil die Situation ihn sichtlich überfordert. Verstört wirkt er, zwischen Willkür und Ohmacht hin und hergerissen - und das, obwohl er nur in zwei oder drei Szenen zu sehen ist. Oder als Sara und Derek schließlich zueinander gefunden haben: vor dem Hintergrund von Schießereien, ärmlichen Verhältnissen und ungewissen Zukunftsaussichten, einer Welt, in der die meisten Kids keinerlei Verantwortungsbewußtsein entwickeln, hält Nikki Sara vor Augen, wie gut sie es doch mit Derek habe. Er sei keiner derjenigen, die ungeplant Kinder zeugen, später anfangen zu trinken und sich mit Arbeitslosigkeit rumschlagen müssen; er sei einer der wenigen Schwarzen aus ihrem Ghetto, der eine wirkliche Zukunftsperspektive hat.

Beeindruckend, wie wirklichkeitsnah der Film in diesen Szenen doch wirkt. Natürlich bietet er Klischeecharaktere wie Gangster Kenny oder Trottel Snookie und vorhersehbare Handlungsweisen wie den Erfolg Saras im Ballett, aber Regisseur Carter trägt nie zu dick auf, läßt immer genug Platz für angenehme Atmosphäre und beweist ein glückliches Händchen bei den Darstellern. Julia Stiles ist noch die bekannteste von Carter's Ensemble und wie schon extrem in "10 Dinge, die ich an Dir hasse" mimt sie die etwas kratzbürstige Sara wirklich überzeugend. Auffallend gut auch die Leistung von Sean Patrick Thomas, der mit seiner ruhigen, sympathischen Art fast wie ein Fremder in der verbissenen Welt seiner Freunde wirkt, aber wunderbar mit Stiles harmoniert. Und noch jemand ist unbedingt hervorzuheben: Terry Kinney als Saras Vater Roy. Er hat nur ein paar Szenen, aber seine Reue Sara gegenüber ist in jeder Sekunde spürbar und als er ihr das renovierte Zimmer präsentiert, herrlich.

Ob "Save the last Dance" letztendlich eine so hohe Wertung verdient hat, darf man objektiv sicherlich anzweifeln, aber er hat mich überrascht. Weil er dank Komponist Mark Isham eine beinahe hypnotisierend-träumerische Stimmung erzeugt, weil er wie aus einem Guß wirkt und weil er so nette Darsteller hat.

Unspektakuläre, seltsam beschauliche und angenehme Romanze


Thomas Schlömer