Abgezockt
(Scorched)

USA 2002, 90min
R:Gavin Grazer
B:Joe Wein
D:Alicia Silverstone,
Rachael Leigh Cook,
Woody Harrelson,
John Cleese
L:IMDb
„The cheese stands alone”
Inhalt
Dersert Saving Banks, irgendwo in Amerika. Kassierer Stuart (Paulo Constanzo) hat lediglich vor, sich 250.000 Dollar zu "leihen". Sheila (Alicia Silverstone) plante ursprünglich auch nicht, die Bank auszurauben, aber als sie von ihrem Freund Rick (Joshua Leonard), der auch Direktor der Bank ist, fallengelassen wird, braucht sie Geld, um neu anzufangen. Assistant Manager Jason Woods (Woody Harrelson) will die Bank auch nicht ausrauben, sondern nur einen ihrer Kunden, den morallosen Geschäftsmann Charles Merchant (John Cleese). Die Pläne nehmen ihren Lauf.
Kurzkommentar
Mit „Abgezockt“ wird das Mittelmaßpolster des Kinojahres weiter gefüttert. Die einfallslose Komödie um einen Bankraub aus verschiedenen Motiven gibt dem Zuschauer allenfalls Anreiz zur ethisch korrekten Illegalität. Mit harmlosen Slapstickgags und entschiedenem Pointenmangel schleppt sich der Handlungsgang über die vorgeschriebenen neunzig Minuten. Trotz des spaßigen Woody Harrelson ein Film, der schnell vergessen sein wird.
Kritik
Filme, in denen irgendwer, aber vornehmlich Banken um ihre Millionen mittels eines mehr oder weniger brillanten Coups ausgeräumten werden, bilden das eigene „Heist“(Raub)-Genre. Der Regisseur wählt bei der Entscheidung über Umsetzung und Grundton des Films aus zwei Alternativen: bierernster Einbruchsthriller oder schräge Krimikomödie, die eben den Ernst des Thrillers verspottend zitiert und dann auch noch die altbekannten Klischees des Genres zur Schau trägt und reichlich ausweidet. Mit „Abgezockt“ liegt ein in keiner Weise aufregender Vertreter der zweiten Alternative vor. Dass die Regie dem weitgehend unbekannten Gavin Grazer übertragen wurde, passt da nur ins Bild; dass sich mehrere Schauspieler mit „Namen“ für diesen mäßigen Pausenfüller hergaben, schon weniger.

Obwohl im Falle von Rachael Leigh Cook, Alicia Silverstone und Woody Harrelson die Erklärung noch einfach sein dürfte: Cook war zwar seinerzeit durch „Eine wie Keine“ als neuer Stern am Segment der Teenagekomödien ausgerufen worden, der große Durchbruch blieb aber aus. Wohl nicht ganz zu Unrecht, denn die wenigen schauspielerischen Anwandlungen, die sie als verzogenes Anarchokind in „Abgezockt“ an den Tag legen darf, fallen eher in die Kategorie gekünstelt und verzichtbar. Andererseits muss zugute gehalten werden, dass keine Rolle in „Abgezockt“ über grobe Pinselstriche hinausgelangt. Ein Mangel an Rollenangeboten könnte auch Alicia Silverstone und den leicht abgehalfterten, aber immer sehenswerten Woody Harrelson zur Mitwirkung gebracht haben. Wieso sich aber Komikerlegende John Cleese in letzter Zeit zunehmend für zahnlosen Humor entscheidet, muss dahingestellt bleiben.

Dabei birgt die Grundannahme der Geschichte eigentlich ziemlichen Witz: drei Angestellte einer Provinzbank entwickeln unterschiedliche Motive, den Schuppen auszuräumen und wissen dabei nichts voneinander. Auch gelingt es Drehbuchautor Joe Wein, die Handlungsstränge der drei Protagonisten überzeugend zusammenzuschreiben, aber hier enttäuscht schon, dass ein bizarres Konfliktpotential, das sich aus einer finalen Einsicht der drei in den jeweiligen Plan des anderen hätte ergeben können, links liegengelassen wird. Immerhin, der Beginn des Streifens punktet mit den Erstauftritten seiner teils schrulligen Charaktere; gerade Harrelson als schräger Wochenenderemit sorgt für Laune. Und weil „Abgezockt“ sich immer wieder mit halbwegs fähigem Slapstick zur nächsten Szene rettet, hat Harrelsons Tollpatschcharakter in möglichst vielen Momenten in möglichst viele Fettnäpfchen zu treten.

Das große Manko dieser zweitklassigen Krimifarce ist die Konzept- und Pointenlosigkeit. Wohl kann der rote Faden, das Zusteuern auf das fette Geld, einigermaßen bei Laune halten, mehr aber auch nicht. Originelle Einfälle gibt es keine, sondern allein einen peinlichst unterforderten, fast schon deplazierten John Cleese. Mit Samuraipyjama und Flinte durchpflügt er die Nacht, und das nur, weil Jason (Harrelson) seinem Mörderpudel den Schlüssel zum privaten Bankschließfach vom Halsband klauben wollte – und natürlich scheiterte. Nein, „Abgezockt“ hat keine dieser wahnwitzigen Schenkelklopfermomente, die Filme aus den unteren Humorregionen ehrlicherweise haben sollten. Stilistische Bildmontagen und einige Lacher, das ist die Habenseite. Aber selbst John Cleese, der als Name offensichtlicher Grund für den Deutschlandstart sein dürfte, macht diese ganz und gar mittelprächtige Einbruchs-Komödie nicht zugkräftiger.

Belanglose Einbruchs-Klamotte mit einem angeödeten John Cleese


Flemming Schock