Basic

USA, 94min
R:John McTiernan
B:James Vanderbilt
D:John Travolta,
Connie Nielsen,
Samuel L. Jackson,
Brian Van Holt
L:IMDb
„All we got to do is to tell the story right”
Inhalt
Verhörspezialist Tom Hardy (John Travolta) wird zu einem mysteriösen Einsatz gerufen: Von einem Trainingseinsatz einer Kampfgruppe kehren nur zwei Soldaten zurück, unter den Getöteten auch ihr Kommandeur (Samuel L. Jackson). Doch die Geretteten schweigen beharrlich, und mit jeder Information, die Hardy zu Tage fördert, wird die Geschichte undurchschaubarer.
Kurzkommentar
Nach seinem Trashdesaster „Rollerball“ meldet sich John McTiernan mit einem exzellent besetzten Militärthriller zurück. Damit spielt er klar in einer höheren Liga, nämlich in der mittleren. „Basic“ strapaziert Nerven und Konzentration mit einem bis zur Erschöpfung verschachtelten Plot, in der Wahrheit nur im Sekundentakt existiert und Konfusion Programm ist. Möglichst viele, gegen Ende grotesk wirkende Wendungen verhindern zusammen mit misslungener Spannungsdramaturgie einen höherwertigen Film. John Travolta gibt mit Connie Nielson („Gladiator“) immerhin ein sehr sehenswertes Team.
Kritik
Die Wahrheit gibt es nicht, sie wird gemacht, im Kino zumal. Weit mehr noch als in der nichtbildlichen Erzählung können dessen Stilmittel wie Perspektivwechsel und Zeitsprünge Gegebenheiten konstruieren und ebenso schnell wieder zerfallen lassen. Geradezu darauf spezialisiert hat sich natürlich das Gerichtsdrama. Mit dem Militärthriller hat dies wiederum eine Untergattung hervorgebracht, in dem eigentlich immer das Überraschungsei-Prinzip den Motor macht: man lässt, um den Zuschauer systematisch zu verwirren und ein möglichst intelligente Geschichte vorzugaukeln, ihn im Stakkatotempo folgerichtig erscheinende Wendepunkte auspacken, einen nach dem anderen. Das führt dann in der Theorie zu dem Genuss, so unheimlich raffiniert permanent übertölpelt zu werden.

Bei diesem Grundgedanken macht auch „Basic“ keine Ausnahme. Doch der Stab des Films lässt ja erst einmal aufhorchen: selbst wenn Regisseur John McTiernan in letzter Zeit kein glückliches Händchen mehr hatte, immerhin drehte er vor Zeiten „Stirb Langsam“ und „Jagd auf Roter Oktober“. Für handfeste Action könnte damit gesorgt sein. Zusammen mit der Topbesetzung durch Samuel L. Jackson und John Travolta stimmt die personelle Ausgangskonstellation. Travolta, in letzter Zeit auch durch ein Talent des Ausrutschens („Battlefield: Earth“) ausgezeichnet, ist in dem Genre zudem kein Neuling. Schon in „Wehrlos – die Tochter des Generals“ (1999) mimte er den großspurigen Army-Ermittler für interne Affären. Jackson tut es ihm auf dem „Feld der Ehre“ gleich („Rules – Sekunden der Entscheidung“, 2000), reine Routine also.

Und doch schießt „Basic“ weit über dieses Ziel hinaus, weil er die Grenzen des Zumutbaren fast erwartungsgemäß sprengt. Statt auf Altbewährtes zu setzten lässt McTiernan seinen unerfahrenen Drehbuchautor James Vanderbilt unkontrolliert von der Leine. Der übernimmt sich in einer bis ins Groteske verschachtelten Collage eines Dschungelvorfalls. Da nur zwei Soldaten dieser Begebenheit überlebt zu haben scheinen, werden deren individuelle Wahrheiten in verregneten, viel zu düsteren Rückblenden rekonstruiert. Der Versuch von deren Abgleichung bringt die Köpfe der bemühten Vernehmungsbeamten zum Rauchen und bis zu einem gewissen Punkt auch die der Zuschauer. Man meint, noch folgen zu können, rätselt, kombiniert, vergisst fast den Film fast als Vergnügen. Denn im Grunde geht es erst um die Ordnung der Kausalität: ein Mord, nein dann mehrere, demnach muss es ein Motiv geben.

Doch McTiernans Logikstrapaze verliert sich zusehends im immer zähflüssiger werdenden Konstrukt aus Lügen und künstlich eingeworfenen Wendungen. John Travolta ist mit mutiger Bierpocke und hausgemachter Coolness zwar ebenso über alle Zweifel erhaben wie Jackson in seiner beschnittenen Rolle als Armysadist und Connie Nielson als Identifikationsfaktor für den Zuschauer. Aber „Basic“ ist durch unglaubwürdige Filmpsychologie in den Vernehmungssequenzen weder dramatisch noch ist er ein Thriller, der mit handelsüblichen Momenten bei der Stange halten würde. Gegen Grundregeln der Spannungsdramaturgie verstößt das auf Dauer nervende Wechselspiel von Rückblenden und Befragungssituationen. Das Aufrechterhalten von Spannung gelingt in keinem der ausfasernden Stränge überzeugend.

Zu etwas wie einer Klimax oder Katharsis reicht diese zermürbende Wahrheitssuche nicht. Vielmehr frustriert der Zuschauer darüber in seinem Bemühen, den Spiralen des Drehbuchs mit der Fertigung einer eigenen „so könnte es gewesen sein“-Theorie zu folgen, im Minutentakt. Worum es geht, wird zunehmend unklarer. Der erwartete unerwartete, sämtliche vorige Wahrheiten einstampfende Gipfel erfolgt natürlich erst im letzten Moment. Noch einmal wird der Zuschauer mit der Don Quijote-gleichen Ermittlerin abschließend für blöd verkauft. Der Werbespruch des Streifens, „Irreführung ist ihre gefährlichste Waffe“, sorgt damit für ironische Bitterkeit. Dass es „Basic“ trotzdem im Mittelmaß hält, ist den wirklich durchweg erstklassigen Darstellern zu verdanken.

Beliebiger Militärthriller mit gutem Ensemble und wirrer Plotgymnastik


Flemming Schock