Kangaroo Jack

USA, 89min
R:David McNally
B:Steve Bing, Barry O'Brien, Scott Rosenberg
D:Jerry O'Connell,
Anthony Anderson,
Estella Warren,
Christopher Walken,
Marton Csokas
L:IMDb
„Booker, Du degenerierter Schwachkopf! Würden wir im Mittelalter leben, Du würdest doch glatt die Jungfrau töten und den Drachen retten.”
Inhalt
Seit Louis (Anthony Anderson) Charlie (Jerry O’Connell) vor 20 Jahren das Leben gerettet hat, plant er ständig „große Dinger“, um die beiden auf einen Schlag reich zu machen. Wie gut, dass Louis als unverbesserlicher Optimist geboren wurde, denn seine kriminelle „Karriere“ besteht aus einer permanenten Pechsträhne. Und weil Charlie wohl oder übel immer mit drinhängt, hält sein Stiefvater, Unterweltboss Sal Maggio (Christopher Walken), auch ihn für einen ausgemachten Loser. Sal gibt ihnen eine letzte Chance: Charlie und Louis sollen 50.000 Dollar bei einem Geschäftspartner im australischen Outback abliefern. Die beiden fliegen nach Sydney und starten ihren staubigen Trip durch die rote Wüste. Plötzlich läuft ihnen ein Känguru vor den Kühler. Die Mafia-Kuriere finden das leblose Tier so knuddelig, dass sie ihm Louis’ Jacke anziehen, um zur Erinnerung ein paar Polaroids zu schießen. In diesem Moment kommt das betäubte Känguru wieder zu sich und springt davon. Mit Louis’ Jacke. Und mit den 50.000 Dollar.
Kurzkommentar
Wer auf rappende Beuteltiere steht und Kamelen mit Verdauungsproblemen etwas abgewinnen kann, ist bei "Kangaroo Jack" an der richtigen Adresse - auch wenn selbst Zuschauer, deren Humor angesprochen wird, von der peinlichen Inszenierung und dem abwesenden Ideenwert angeödet sein dürften. "Kangaroo Jack" ist Unterhaltung der ganz seichten Sorte, aber immerhin ist er nur in den seltensten Fällen anzüglich oder vermessen. Lediglich naiv und ohne jedes Tempo.
Kritik
Filme wie "Kangaroo Jack" machen die Bewertung eigentlich einfach. Man braucht den geneigten Zuschauer lediglich auf den offiziellen Trailer zu verweisen und ihm bestätigen: "Wenn Dir der Mist zusagt, geh rein, ansonsten lass' es". Als Kämpfer für Gerechtigkeit in der (Kino-)Welt müsste man sich dann zwar schämen, weil man verwirrte Besucher so auch noch ermutigt, eine Schandtat wie "Kangaroo Jack" überhaupt in Erwägung zu ziehen, aber nun, es soll ja Leute geben, die auf derartige Komödien stehen.


Dennoch soll hier auf jede Peinlichkeit hingewiesen werden, die "Kangaroo Jack" zu einem unwillkommenen Erlebnis machen:

a) Der Film bemüht sich in keiner Minute eine neuartige, interessante, nur irgendwo glaubwürdige Geschichte zu erzählen

b) Die Story setzt wie 834 Streifen vor ihm auf ein ungleiches, bevorzugt durch die Hautfarbe unterscheidbares Buddy-Paar ohne dem neue Akzente abgewinnen zu können

c) Das Setting bedient sich ungeniert aller australischen Komödien, die nur irgendwie außerhalb von "Down Under" bekanntgeworden sind. Hier sei vor allem die "Crocodile Dundee"-Trilogie erwähnt, die bereits vor zwei Jahren zu einer Farce seiner selbst wurde

d) Der Humor bewegt sich vorwiegend auf Grundschulniveau, womit flatulierende Kamele und rappende Känguruhs gemeint sind

e) Regisseur McNally zeigt keinerlei Interesse daran, seiner Arbeit zumindest handwerklich irgendetwas abseits der Konventionen abzugewinnen. Hier sei der Einsatz stereotypischster Songs sowie Klischeebilder von Australien, die bei der Oper von Sydney beginnen und bei Koalas in der Wüste enden, angeführt

f) Selbst Gastauftritte von charismatischen Darstellern wie Christopher Walken verpuffen so unspektakulär wie die gezwungen Outtakes eines digital animierten Känguruhs witzig sind

g) Für ein Film, der mit einer digitalen Hauptfigur wirbt, ist "Kangaroo Jack" erstaunlich desinteressiert an seinem hüpfenden Beuteltier, bekommt Jack doch nicht mal ansatzweise die Leinwandpräsenz, die der Titel suggeriert


Und dennoch muss man "Kangaroo Jack" etwas zu Gute halten: er behauptet zu keiner Minute, intelligentere Unterhaltung zu sein als er ist. Sein Ziel ist seichtes Familien-, vorwiegend kindgerechtes Entertainment und dieser Maxime folgt er auf moralische, harmlose, fast niedliche Weise. Und selbst wenn sich Kinder ob der geringen Präsenz Kangaroo Jacks ebenso veralbert vorkommen dürften wie potenzielle, erwachsene Zuschauer, sei gesagt: es gab schon verabscheuungswürdigere Filme. "Kangaroo Jack" ist lediglich uninspiriert, naiv und dumm.

Peinlicher Komödien-Versuch, unbeholfen inszeniert


Thomas Schlömer