Nach Fünf im Urwald

Deutschland, 99min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Hans-Christian Schmid
B:Hans-Christian Schmid
D:Franka Potente,
Axel Milberg,
Dagmar Manzel,
Farina Brock,
Peter Ender
L:IMDb
„Überall wo ich hinkomme, gibts Ärger mit Klopapier”
Inhalt
Anna (Franka Potente) wird 17 Jahre alt und schmeißt ihre erste große Geburtstagsparty. Zwar haben ihre gutbürgerlichen Eltern versprochen, Anna freie Bahn zu lassen und die Nacht woanders zu verbringen, doch natürlich konnten sie sich gute Ratschläge nicht verkneifen. Um so schlimmer ist der Schreck, als die Eltern am nächsten Tag nach Hause kommen. Die Wohnung ist verwüstet, überall gammeln verpennte und vollgedröhnte Teenager herum. Als Vater Wolfgang dann auch noch ein Stück Haschisch findet und feststellt, daß seine Lieblingsplatte, eine seltene Rarität, zerbrochen wurde, kommt es zu einem heftigen Krach. Anna beschließt auszureißen.
Kurzkommentar
Eine so einfache, so unspektakuläre Thematik, so behutsam und berührend inszeniert, dass sie den größten Respekt verdient. Hans-Christian Schmid porträtiert in seinem Kinodebüt den "typischen" Konflikt der Generationen, präsentiert ihn dabei aber auf so geschickte Weise, dass er mit wenigen Kniffen, mit wenigen Worten all das zu sagen vermag, was es dazu zu sagen gibt. Was als scheinbar klischeehaftes Familiendrama beginnt, wird zur Spiegelung noch vorhandener und bereits erfüllter oder gelebter Träume und Wünsche, wenn Schmid im Verlaufe des Films den Spieß umgekehrt und Anna "erwachsen" werden lässt, während die Eltern ihre Jugend und die daraus resultierenden Erkenntnisse wiederentdecken. Schmid setzt die Dialoge so präzise, zeichnet die Figuren so fein, verflechtet die Geschichten so klug, dass ein unheimlich dichter, runder, gleichzeitig melancholischer und positiver Film entsteht. Ein Ausnahmefall des jungen, deutschen Kinos und Vorbild für etliche Nachahmer, inkl. Schmids eigenem Jugenddrama "Crazy".
(Thomas Schlömer)