Im Netz der Spinne
(Along came a spider)

USA 2001, 104min
R:Lee Tamahori
B:James Patterson
D:Morgan Freeman,
Monica Potter,
Michael Wincott,
Mika Boorem
L:IMDb
„Er hat sie erwürgt - das ist ein Akt der Leidenschaft!”
Inhalt
Als die Tochter eines Senators gekidnappt wird, muss wieder einmal Dr. Alex Cross (Morgan Freeman) aushelfen, um dem genial-irren Täter (Michael Wincott) auf die Spur zu kommen. Hilfe erhält er dabei von einer Secret-Service-Agentin (Monica Potter), die für die Bewachung des kleinen Mädchens zuständig war. Doch auch als der Entführer längst gefasst scheint, ist der Fall noch lange nicht vorbei...
Kurzkommentar
"Im Netz der Spinne" ist insofern überdurchschnittlich, als die Handlung einige wirklich unerwartete Wendungen mit sich bringt, die den Film durchaus über die gesamte Länge spannend halten. Hinzu kommen aber leider einige üble Logikfehler sowie ein stellenweise peinliches Setting.
Kritik
Man sollte meinen, dass Morgan Freeman nur noch alte weise Männer spielen kann, weil er die nicht spielen braucht. Da solche Charaktere aber selten gefragt sind, spielt er nur noch Polizei-Profiler. Wahrscheinlich merkten das auch die Casting-Leute und Drehbuchschreiber, so dass sie, statt sich die Mühe der Entwicklung einer neuen Figur zu machen, einfach einen alten Charakter von Morgan Freeman recycelten. Denn den Alex Cross gab Freeman schonmal in "Kiss the Girls", dieser personelle Zusammenhang ist aber auch der einzige zwischen den beiden Filmen, vom Genre mal abgesehen.

Die Rahmenbedingungen sind also klar: Ein irrer und genialer Verbrecher will den Coup des Jahrhunderts landen und ein denkwürdiges Verbrechen begehen. Und weil ihm das zu langweilig ist, sorgt er dafür, dass Cross mit in den Fall hineingezogen wird. Und schon kann die Hatz beginnen, stellenweise an "Stirb Langsam - Jetzt erst recht" angelehnt hetzt Cross durch die Handlung und von einem Ort des Geschehens zum nächsten, natürlich immer einen Schritt hinter dem Bösewicht. Doch irgendwann gelingt es ihm, einen Vorsprung herauszuholen, und schon ist der Bösewicht geschnappt, die Geschichte aber noch lange nicht am Ende. Zur Vermeidung eines Spoilers will ich hier nicht vorgreifen, aber es sei gesagt, dass dieser Storytrick durchaus gekonnt und noch nicht abgenutzt ist - damit stellt er auch das größte Plus des Films dar. Ansonsten trieft das ganze natürlich nur so von Klischees (siehe Zitat), und es scheint kaum glaubwürdig, dass echte Profiler und Ermittler wirklich so arbeiten. Wie auch immer, schlimmer als das sind diverse Holprigkeiten ("Grafische Austauschformate") und vorallem die zahlreichen Logikfehler (Weshalb genau entführt Soneji denn nun Megan? Dimitri ist keine Erklärung!). Ungeklärt bleibt auch die Frage, was nun an dem Coup so spektakulär gewesen wäre - leider nur allzu kurz wird auf die Beweggründe von Soneji eingegangen, und das wenige ist allzu abgedroschen, hier wurde enormes Potential verschenkt.

Handwerklich ist "Im Netz der Spinne" kaum auffällig, weder im Positiven noch im Negativen. Die Inszenierung ist, von den geschilderten Mängeln abgesehen, unbedeutend, die Musik von Jerry Goldsmith bleibt auch nicht im Ohr, auch wenn sie das ihre für den Film tun mag. Morgan Freemans vermeintlich tiefgründige Blicke funktionieren ganz gut, auch wenn wenig schauspielerische Leistung zu erkennen ist. Und auch Michael Wincott verleiht seinem Charakter eher durch seine Physis als durch gekonntes Acting Profil.

Nichtsdestotrotz ist der Film durchaus spannend, wer dergleichen mag, wird gut unterhalten. Besondere Glanzlicher sind von diesem Massenware-Thriller aber nicht zu erwarten.

Überdurschnittlicher Thriller von der Stange


Wolfgang Huang