Natürlich Blond 2
(Legally Blond 2: Red, White & Blonde)

USA, 94min
R:Charles Herman-Wurmfeld
B:Eve Ahlert, Kate Kondell, Amanda Brown
D:Reese Witherspoon,
Sally Field,
Regina King,
Jennifer Coolidge
L:IMDb
„Ich habe meinem Hund beigebracht, online einzukaufen. Da werde ich den Kongress wohl in den Griff bekommen!”
Inhalt
Nachdem Elle Woods (Reese Witherspoon) Harvard erobert hat, arbeitet sie jetzt als junge, aufstrebende Anwältin bei einer großen Wirtschaftskanzlei und steckt mitten in den Vorbereitungen für die Hochzeit mit dem Mann ihrer Träume. Aber als sie herausfindet, dass ausgerechnet ein Mandant der Kanzlei die pelzigen Verwandten ihres geliebten Hündchens Bruiser für Kosmetikversuche missbraucht, läuft sie dagegen Sturm. Und wird prompt gefeuert. Elle ist am Boden zerstört, aber eine echte Blondine kann so schnell nichts aufhalten. Sie macht sich auf den Weg nach Washington, um im Zentrum der Macht die Dinge in ihre frisch manikürten Hände zu nehmen. Die Klippen und Untiefen im politischen Haifischbecken des Capitol Hills sind eine Herausforderung für Elle, die aus dem modischen Einheitsbrei grau-schwarz-dunkel-blauer Bürokraten mal wieder wie eine exotische, pinkfarbene Blume hervorsticht. Die Damen und Herren Politiker empfangen „Capitol Barbie“ nicht gerade mit offenen Armen.
Kurzkommentar
Elle Woods ist wieder da und diesmal darf sie sich gegen böse Tierversucher durchsetzen. Das sorgt phasenweise für ein harmloses Schmunzeln auf den Lippen, ist insgesamt aber wenig anderes als durchschnittlich. Zwar hat Reese Witherspoon ihre Rolle im Griff, Drehbuch und Inszenierung schreien jedoch nach Gewöhnlichkeit. Der satirische Biss, den der erste Teil bereits hat vermissen lassen, ist beim zweiten noch viel weniger zu spüren.
Kritik
Die sarkastische Veralberung modernen Konsumverhaltens, immer größerer Medienbeeinflussung und dadurch auch immer hohlerer Schönheitsideale und Idolgestalten gehört seit jeher zum Repertoire des Kinos. Von Chaplins „Moderne Zeiten“ über Sidney Lumets „Network“ bis hin zu eher leichteren, aber nicht minder bösen Beiträgen wie etwa „Gnadenlos schön“ gehört die Auseinandersetzung mit den Medien und ihren Idealvorstellungen auch immer schon zum Medium dazu. „Natürlich Blond“ war da vor zwei Jahren nur die seichte, äußerst harmlose Spitze des Eisbergs und Hauptdarstellerin Reese Witherspoon total in ihrem Element. Ihre überdrehte, bevorzugt komödiantische Auseinandersetzung mit Schein und Sein, Idealismus und Angepasstheit, Aufrichtigkeit und Falschheit ist in vielen ihrer Rollen zu finden: in „Pleasantville“ gerät sie unfreiwillig in eine von unselbständigem Denken und Klischees beherrschten Welt und bringt ihr Individualismus und Mut zur Andersartigkeit bei, in „Eiskalte Engel“ spielt sie das ausgeglichene Gegenstück, das die Ziellosigkeit ihrer Umgebung bekämpft und ihr wieder eine Perspektive gibt, in Alexander Paynes „Election“ mimt sie die böse Variante ihres gutherzigen Charakters Elle Woods aus „Natürlich Blond“: die Wahl zur Schulsprecherin mutiert zur überzogenen Farce des amerikanischen Demokratismus und ihr überschäumendes Engagement wird zum Symbol für die Unverhältnismäßigkeit ihrer Umgebung. Als ihr die Falschheit ihrer Umwelt schließlich bewusst wird, bricht für sie eine Welt zusammen.

Von solcher „entlarvender“ Härte war „Natürlich Blond“ anno 2001 meilenweit entfernt. Mit sympathischem Humor karikierte sie als Harvard-Anwärterin Elle Woods zwar ebenso die Klammerung ihrer Umwelt an nicht existente Werte, das aber auf harmlosem, märchenhaften Niveau. Pink als Farbe des Neo-Pop, pink als Erkennungsmerkmal von Barbie und Ken, pink als Symbol für schlechten oder auch einfach nur naiven Geschmack. Mit einfältigem Charme, liebenswerten Nebenfiguren und betont bunter Umsetzung gelang Witherspoon nicht nur ein überraschender Erfolg (knapp 100 Mio.$ in den USA), sondern auch ein wenig beneidenswerter dazu. Warum nun die Fortsetzung folgt, ist natürlich offensichtlich, den Wert ihrer Rolle untergräbt es aber ungemein. Denn übt die Fixierung auf Marken, Aussehen, Materialismus trotz des komödiantischen Hintergrunds natürlich Kritik am modernen Konsum, untergräbt die pure Existenz einer Fortsetzung schon diesen (geringen) Idealismus.

So ist „Natürlich Blond 2“ denn auch eine Fortsetzung wie sie im Hollywood-Drehbuch steht: alles etwas größer, bunter, geräumiger, bedeutungsschwerer. More of the same. Die Story, die nicht nur überdeutlich, sondern auch ziemlich schamlos Frank Capras Klassiker „Mr. Smith geht nach Washington“ mit James Stewart nacheifert, ist dabei (absichtlich) vollkommen stumpfsinnig und blauäugig (die Mutter des Hundes muss gerettet werden), gleichzeitig aber nicht abgedreht genug, um wieder unterhalten zu können. Zudem kommt Elle Woods natürlich nicht aus selbstlosen Gründen darauf, etwas gegen Tierversuche zu unternehmen, sondern engagiert sich erst als sie selbst bzw. ihr Chihuahua von der Misere betroffen ist. Dann muss sie selbstredend gegen allerlei juristische Drachen antreten, kann sie letzten Endes aber mit ihrer pinken Gutherzigkeit problemlos überzeugen.

Inszenatorisch erreicht Regisseur Charles Herman-Wurmfeld (der mit „Kissing Jessica Stein“ zumindest noch ein ambitioniertes Debüt gab) dabei kaum die Frische des Originals, reiht Szene an Szene vielmehr lieblos aneinander. Etwas flotter wird es maximal beim Zusammentrommeln aller Blonden für den „Million Dog March“, wenn die Rettung eines Hundelebens eine Demo provoziert wie es sie seit dem Vietnam-Krieg nicht mehr gegeben hat oder wenn Portier Blaine wieder etwas Zeit bekommt, seine Liebenswürdigkeit unter Beweis zu stellen. Und trotzdem auch Reese Witherspoon wieder herzlich und charmant wirkt, manch Einfall durchaus für ein Schmunzeln sorgt und „Natürlich Blond 2“ nur harmlose Unterhaltung darstellt: etwas knackiger hätte es schon werden dürfen.

Allzu harmlos, seicht und uninspiriert


Thomas Schlömer