Thomas Crown Affäre, Die
(Thomas Crown Affair, The)

USA, 113min
R:John McTiernan
B:Alan Trustman, Leslie Dixon, Kurt Wimmer
D:Pierce Brosnan,
Rene Russo,
Denis Leary,
Ben Gazzara
L:IMDb
„Wo ist dieser Dreckssack?!”
Inhalt
Finanzgenie und Multimillionär Thomas Crown (Pierce Brosnan) liegt dank seiner Finanzkraft eine ganze Welt zu Füssen. Doch wenn das Geld keine Rolle mehr spielt, das Zermalmen von Kleinfirmen und Fusionieren den montonen Alltagsrythmus diktiert, sucht das Bonzentum seinen Adrenalinkick in der Kriminalität. Crown spielt also einen gewieften Kunsträuber, der sich aus selbstgefälliger Liebhabermotivation das erste Werk der impressionistischen Kunstepoche, Monets 'San Giorgio Maggiore Soleil Couchant', aus der städtischen Kunstgallerie dank eines gefuchsten Planes unter den Nagel reisst. Da Monets kunsthistorische Zäsur mit 'geringen' 100 Millionen Dollar versichert war, wird dem ermittelnden Detective McCann (Dennis Leary) die erotische Versicherungsagentin Catherine Banning (René Russo) zur Seite gestellt. Sofort beginnt sie, die bürokratisch ineffizienten Polizeiermittlungen zu kompromittieren und setzt Kombinationsgabe und die Waffen einer Frau ein, um den Täter dingfest zu machen. Bald ist sie dank ihres Intellekts sicher, dass Crown den Kleptomanen spielt. Dieser scheint in ihr nicht nur eine würdige Gegnerin, sondern auch seine Liebe gefunden zu haben.
Kritik
Regisseur und Actionvirtuose John McTiernan ('Stirb langsam') legt ein Remake des 30 Jahre alten 'Thomas Crown ist nicht zu fassen' vor. Damals der Prototyp des 'Mannes', Steve McQueen, heute 'Mr. Bond' Pierce Brosnan in der Hauptrolle. Mag das Original bis heute zu recht in Erinnerung geblieben sein, so sollte das überflüssige Plagiat (Brosnan spricht als Mitproduzent legitimierend von 'Hommage') schnell aus dem Gedächtnis der Filmhistorie gestrichen werden. Wenn McTiernan, der das Actiongenre auch durch Brachialstreifen wie 'Predator' definierte, erst durch den '13ten Krieger' schon auf seinem Fachgebiet dilettierende Durchhänger zeigt, begiebt er sich einem erotischen Thriller vollends aufs Glatteis. 'Gut geklaut ist halb gewonnen' - hätte man nach dieser Prämisse gehandelt und nicht alle Dynamik auf den Schlachtfeldern der neuesten Michael Crichton-Adaption vergessen, wäre Hollywoods Ideenarmut mit blauem Auge davongekommen. Reverenz- und Hommagegeblubber ist jedoch nur vordergründige Rechtfertigung für schnellstmögliche Geldmachereri.

Uninspiriert kopiert, schleppend langweilig und dämlich märchenhaft ist das Resultat kein Prestigewinn für Brosnan, dessen startechnische Rehabilitation mit 'James Bond' steht und fällt. Es war naheliegend, ihm die Hauptrolle zu geben: keiner verkauft den Flair des luxuriösen, des steinreichen Gentlemans und Quasiplayboys so gut wie er. Denkt man an Brosnan, denkt man an Rolex und Maßanzug. Wer ihn mit René Russo in dekadentem Luxus schwelgen sehen möchte, wird Gefallen finden; wer von McTiernans Exkursion in die Feudalität erwartet, dass es auch mal ordentlich kracht, sei gewarnt. Denn außer unappetitlich übertriebenem Bonzenflair, halbwegs kultivierter Erotik und flachhirnigem Schickeriamüll ist hier nichts zu finden - vor allem keine Spannung. Dumm, dass die Aspekte, die den Streifen überhaupt erst diskutierbar machen, ihm fast durchweg zur Last gelegt werden müssen.

Dabei fängt alles noch mäßig aufregend an, wenn McTiernan den Diebstahl des Monet-Bildes routinemäßig gut, aber doch schematisch arrangiert: Mal wieder darf man der Einbruchscrew, hochtechnisiert ausgerüstet, beim mit trashiger Musik unterlegtem 'wir-können-alle-Alarmanlagen-überlisten' Akt zusehen. Dieser Schnickschnack wurde erst kürzlich in der 'Verlockenden Falle' zum ausgelutschten Spannungsprinzip, hier ist er fragwürdiger, kurzer 'Höhepunkt', denn dann ist trotz der gut agierenden Hauptdarsteller die Luft raus. Hirnrissig ist allein schon die Annahme, dass ein 'Mann von Welt', ein Multimillionär mit Charme und 'Hey, die Frauen liegen mir zu Füssen' Appeal, keine Frau an seiner Seite hat und einer lasziven Detektivin, die mehr Kombinationsgabe als Sherlock Holmes aufweist, sofort verfällt.

Ist dies alsbald gesehen, mögen sich beim Zuschauer die abgeschlafften Fragen aufwerfen, wer hier mit wem spielt, wer hier was möchte und wieso Reichtum dekadent macht. Fragen, deren Beantwortung stinklangweilig wie absehbar verfolgt wird. Da von vorherein klar ist, dass die Affinität zwischen Überbonze und Detektivin, die nichts gegen das Leben als Überbonze einzuwenden hätte, zwangsläufig zum Vereinigungsakt führt, verläuft die Spannungskurve proportional zum geschmacklosen Luxusgrad. Katz- und Mausspiel der undramatischsten Variante. Eine unfreiwillige Leistung: beispielhaft wird dem Zuschauer demonstriert, wie Prunk und Prasserei Degeneration schüren. Romantik gibt´s so wenig wie neue Einfälle, Erotik nur dadurch, dass René Russo ihre Sinnlichkeit spielen lässt und Brosnan seinen animalischen Brusthaarteppich exponiert.

So plätschert das Geschehen ideenlos dem Ende zu, während Crown (der Name so plump wie der Film) seine Dulcinea mit diversen, dramaturgisch reduntanten Luxuseskapaden zu begeistern vermag. Als größter Scherz erweist sich jedoch Fay Dunaway als hoffnungslos überflüssige Psychologin, die in grundlosen Szenen auf den Bagatellpsychosen Crowns herumreitet. Insgesamt wird der Überschwang an Opulenz nur geringfügig durch den bodenständigen Dennis Leary als natürlich sympathischen Bullen angenehm abgeschwächt. Der einzig kurzweilige Lichtblick ist dann die Auflösung der Frage um den Verbleib des gestohlenen Bildes, was jedoch nichts daran ändert, dass das Gros des Filmes so trivial ist wie die Erkenntnis, dass Reichtum auch Armut hervorbringen kann.

Ermüdendes Techtelmechtel vor prunkhaft dekadenter Kulisse


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Unverständlich, und damit symbolisch für den ganzen Film, wieso Crown unbedingt einen Monet klauen musste: Die Szenen des Films, die an Monet erinnern, sind die schwächsten, und leider auch noch in der Mehrzahl. Spass macht der Film an jenen Stellen, die sich vom Stil Magrittes inspiriert sind: Etwa die Eingangssequenz, in der man, wie schon dutzen...