Sag' kein Wort
(Don't say a word)

USA, 113min
R:Gary Fleder
B:Andrew Klavan,Anthony Peckham, Patrick Smith Kelly
D:Michael Douglas,
Sean Bean,
Brittany Murphy,
Oliver Platt
L:IMDb
„Sie wollen, was die wollen - aber ich sag es niemals!”
Inhalt
Völlig unerwartet wird Dr. Conrads (Michael Douglas) kleine Tochter Jessie (Skye Bartusiak) entführt, und lange ist unklar, welches Motiv die Täter haben. Doch mit der Zeit fallen immer mehr Puzzleteile an ihren Platz: Der Anführer (Sean Bean) der Entführer ist hinter einem wertvollen Edelstein her, und nur ein verstörtes Mädchen (Brittany Murphy) weiss, wo er sich befindet. Dr. Conrads Aufgabe als Psychiater ist es nun, diese Information innerhalb weniger Stunden zu besorgen - ein Wettlauf gegen die Zeit.
Kurzkommentar
Trotz Buchvorlage wurde der Plot zu "Sag kein Wort" wohl mit ziemlich heisser Nadel gestrickt - denn überzeugen kann er kaum. Die Spannung bezieht sich einmal mehr nicht darauf, wie das alles ausgeht (das ist leider schon klar, bevor es begonnen hat), sondern allenfalls, wie der Bösewicht sterben muss. Zudem fällt der Pyscho-Part trotz Potential (Brittany Murphy) recht mager aus. Alles in allem nicht richtig schlecht, aber einfach zu wenig.
Kritik
Als hätte die Welt noch keinen Entführungfilm nach dem Muster "Böse Verbrecher dringen in heile Welt ein" gesehen, serviert uns Gary Fleder hier seinen neuen Film nach "Kiss the Girls" - der hatte schon eine ähnliches Motiv. Aus den Fehlern von "Frantic" oder "Kopfgeld" hätte man lernen können, doch Fleder stürzt sich geradezu sehenden Auges auf den größten und gefährlichsten: Eine Story, die hinten und vorne nicht funktioniert. Weshalb befindet sich der Edelstein in Besitz des Mädchens, wieso stirbt ihr Vater, wie funktioniert die Schallübertragung durch die Luftschächte, woher wissen die Verbrecher von der Nummer, wenn sie aber doch das Versteck nicht kennen, wieso um Gottes willen setzen sie dem Arzt ein völlig hirnrissiges Zeitlimit, und so weiter und so weiter... Sicherlich, mit etwas Gewalt, und vorallem dramaturgischen Erfordernissen lässt sich alles hinbiegen und irgendwie erklären - nur ergibt das halt keinen guten Film. Einer der größten logischen Fehler, um die auch andere Filme dieser Art nicht herumkommen: Wenn die Bösen eine Bezugsperson entführen, um von den entsprechenden Eltern/ Ehepartnern/etc. etwas zu erpressen, dann steht ihr Druckmittel auf sehr wackligen Füßen. Zumeist drohen sie mit Ermordung - doch sobald sie diese vollzögen, und das müssten sie nur, weil der Betroffene ihre Forderungen nicht erfüllt, fehlt ihnen das Druckmittel ganz, weshalb eine solche Konstellation zwangsläufig scheitern muss - die gesamte Konstruktion ist nicht logisch. Ron Howard hat dieses Problem in "Kopfgeld" erkannt, und durch eine geschickte Wende in der Geschichte dieses gähnende Logikloch umgangen (um dann in andere abzustürzen) - Fleder nimmt leider nicht mal diesen Umweg.

Bleiben die restlichen Qualitäten: Auch diese eher dürftig. Michael Douglas war, ganz platt formuliert, auch schon mal besser. Damit seine Vaterliebe trotz mäßiger mimischer Leistung auch garantiert jeder kapiert, hat er zudem ein paar derart platte Dialoge in seinem Text, dass es schon wieder schmerzt. Auch den "Dann nehm ich die Verbrecher eben im Alleingang hoch"-Typen nimmt man ihm kaum ab, und Douglas bemüht sich auch nicht allzusehr, diesen glaubwürdig zu verkörpern. Für ihn dürfte dieser Film wohl eine harmlose Kontostands-Korrektur-Maßnahme gewesen sein, nichts, worin hinein es sich zu investieren lohnt, ein Film, der schneller vergessen als gedreht ist. Auch sämtliche Co-Stars, von Famke Janssen (die wohl nur wegen ihrer Rolle als Xena Onatopp länger in Filmbusiness verweilen durfte) über Jennifer Esposito (die eine selten überflüssige Rolle spielen muss) bis hin zu, leider, Sean Bean (dem man nach Herr der Ringe" mehr Glück bei der Rollenwahl wünschen möchte) bleiben blass und blutleer. Allein Brittany Murphy als verstörtes Mädchen ist erwähnenswert, wobei ihr Spiel wohl auch wenig mehr als eine Reprise auf ihre Rolle in "Durchgeknallt" ist.

Insgesamt betrachtet ist "Sag' kein Wort" kein richtig schlechter Film, aber für häufigere Kinogänger doch ganz besonders ärgerlich, weil all die Fehler, unter denen er leidet, bereits zuvor zur Genüge gemacht wurden - der Film enthält zudem keine einzige neue Idee. Und eigentlich sollte man heutzutage, gerade angesichts der starken Konkurrenz, mehr erwarten dürfen als diese etwas lieblos zusammengeschusterten 08/15-Filme.

Uninspirierter, unglaubwürdiger Thriller von der Stange


Wolfgang Huang