Matrix - Reloaded
(Matrix Reloaded, The)

USA, 138min
R:Andy Wachowski, Larry Wachowski
B:Andy Wachowski, Larry Wachowski
D:Keanu Reeves,
Laurence Fishburne,
Carrie-Anne Moss,
Hugo Weaving,
Matt McColm
L:IMDb
„Ich hatte einmal einen Traum. Dieser Traum wurde nun zerstört.”
Inhalt
Nur noch wenige Stunden bleiben, bis die letzte Zufluchtsstätte der Menschen von 250.000 Wächtern angegriffen wird, die laut Programmierung alles menschliche Leben vernichten sollen. Doch die Bewohner von Zion haben Hoffnung geschöpft: Morpheus (Laurence Fishburne) überzeugt sie, dass der Erwählte die Prophezeiung des Orakels erfüllen und den Krieg gegen die Maschinen beenden wird. Die Menschen glauben an Neo (Keanu Reeves), der von beunruhigenden Visionen heimgesucht wird, während er zugleich versucht, Zion zu retten.
Kurzkommentar
"Matrix Reloaded" leidet, wie zu befürchten war, unter dem Nachfolgersyndrom. Natürlich ist alles noch spektakulärer, aber den Quantensprung des ersten Teils können die Wachowski-Brüder nicht wiederholen. So enttäuscht "Matrix Reloaded", auch wenn er weit vor der Konkurrenz liegt.
Kritik
1999 hätte das Jahr sein sollen, in dem das Sci-Fi Genre revolutioniert wird: George Lucas trat vor vier Jahren mit der Neuinterpretation des StarWars-Universums an - und scheiterte. Nicht nur war "The Phantom Menace" eher enttäuschend, ganz unerwartet stahl dem großen, von allen erwarteten Sommerhit auch noch ein zunächst kaum bemerkter Konkurrent die Show. "Matrix" entwickelte sich mit knapp 500 Millionen Dollar weltweitem Einspielergebnis nicht nur zu einem komerziellen Erfolg, ihm gelang auch, was nur wenige Filme vollbringen (und was Lucas zwar mit den ersten drei Filmen, wohl aber kaum mit den aktuellen drei gelang bzw. gelingen wird): Die Redefinition eines Genres und der Eingang in die Popkultur. Kaum ein Film dürfte in den letzten 4 Jahren mehr kopiert, imitiert und parodiert worden sein als "Matrix".

Die Kombination aus Action satt, Kung-Fu-Ästhetik und einer vielschichtigen Story konnte begeistern; sowas gab es zuvor nicht. Und würde sich Arnold Schwarzenegger nicht gerade erneut als Terminator versuchen, so wäre der Actionfilm der 80er und 90er, symbolisiert durch Arnie, Sylvester Stallone oder Bruce Willis wohl bereits ganz am Ende. Mit simplen Verfolgungsjagden, Prügeleien und Explosionen läßt sich heutzutage niemand her hinter dem Ofen hervor respektive in die Kinosäle locken. Die Zutaten des modernen Actionfilms heissen Coolness, CGI und Kung Fu. Mit viermonatigen Kampfschulungen, reichlich Drähten, ausgefeilter Choreographie und noch mehr Rechenpower kann so sogar ein dürrer Reeves ein Actionheld werden - das hätte sich Schwarzenegger auch nicht träumen lassen.

»Matrix Relaoded« nun ist ein typisches Sequel: Es ist und bleibt eine Wiederholung des ersten Teils, es gelingt nicht, den gleichen Quantensprung nochmal zu vollziehen, weil es nur mehr vom Alten jedoch nichts Neues gibt. Und es treten die typischen Symptome des Mittelteils auf: Zuviele unbeantwortete Fragen, unvollendeter Handlungs- und Spannungsbogen, brutaler Cliffhanger.

Die Erwartungen waren zweifelsohne ungewöhnlich hoch, und fast war zu erwarten, dass sie enttäuscht werden mussten. Der Coup des ersten Teils konnte nicht wiederholt werden, und so beschränkten die Wachowski-Brüder leider darauf, einfach mehr vom Altbekannten einzubauen. Das ist freilich spektakulär und bisher ungesehen. Kampfszenen dieser Komplexität, dieses Ausmaßes und dieser Länge sind ohnegleichen; Ähnliches gilt für die finale Autoverfolgungsjagd sagen, für die Produzent Silver eigens ein Stück Autobahn bauen ließ, weil für die zwei Wochen Drehzeit, die die rund 15-minütige Szene benötigte, keine andere Strecke zur Verfügung stand. Dieser materielle Gigantismus verdeutlicht den Ansatz des Films recht gut.

Zugleich entgleitet den Machern ihr Konstrukt: Den Regisseuren gelingt es zusehends weniger, die komplexe Logik der Matrix dramaturgisch glaubhaft umzusetzen. Ohne zuviel zu verraten: Wenn keine physikalischen Gesetze mehr gelten, welchen Sinn haben dann Faustkämpfe? Ähnliches gilt auch für Figuren und Handlungen: Allzuoft wartet schlicht hinter der nächsten Tür ein neuer Charakter, der kurz etwas beitragen darf und dann auch schon wieder im digitalen Nirvana verschwindet. Wieso, weshalb, warum, woher? Alles egal, die Matrix macht's möglich. Diese dramaturgische Beliebigkeit nervt beizeiten, ebenso wie die im Vergleich zum ersten Teil deutlich weniger tiefsinnigen, vielmehr hohlen Dialoge.

Und noch etwas geht "Matrix Reloaded" ab, was sowohl George Lucas als auch Arnold Schwarzenegger besser hinbekommen haben: Es menschelt so gar nicht, die Welt innerhalb und ausserhalb der Matrix ist aseptisch. Die Bösewichte sind gefühllose Computerprogramme, die Helden mehr eiskalt denn cool, und die stürmische Liebesbeziehung zwischen Trinity und Neo fällt derart emotionsarm aus, dass man für geschenkt nicht tauschen wollte. Die Identifikation mit den Charakteren fällt einem schwer in einem Film, in dem der Bösewicht Agent Smith ("Nur ein Programm") die charismatischste Figur ist. So ziehen denn die Actionszenen perfekt inszeniert an des Betrachters Auge vorbei, doch ob sie ihn wirklich berühren? Seine Affekte anregen, wie Aristoteles es von einem guten Schauspiel verlangt hätte?

Apropos Aristoteles: Die teils philosophische Tiefe, die der erste Teil noch an den Tag legte, geht größtenteils verloren. Zitat Hugo Weaving (aus Entertainment Weekly): "Which German Philosophers do we have to read to understand all this?" Antwort: Keine. Wer wohlwollend interpretiert, findet Ansätze - mehr aber auch nicht - die auf einen stärkeren Unterbau wenigstens im dritten Teil hoffen lassen, in dem das Verhältnis Mensch-Maschine dann neu geordnet wird. Der Versuch, einen Actionfilm philosophisch aufzuladen, erklärtes Ziel von Regisseur Larry Wachowski, scheint diesmal jedoch weitestgehend misslungen.

Soviele harsche Worte? "Matrix Reloaded" muss sich an den höchsten Maßstäben messen lassen, und da bedeutet: an seinem eigenen Vorgänger. Gemessen daran ist der Film in gewisser Weise unbefriedigend und enttäuschend. Doch beileibe ist es damit kein schlechter Film: Sieht man von der halbgaren Story des Mittelteils ab, so übertrifft "Matrix Reloaded" jeden Actionfilm der letzten Jahre um Längen. Allein das Missverhältnis aus Erwartung und mangelnder Erfüllung begründet die harte Kritik. Allemal ist der zweite Teil ein unterhaltsamer, sehenswerter Film. Für den dritten Teil jedoch bedarf es überzeugenderer Antworten auf die aufgeworfenen Fragen, ein wenig mehr Filmlogik und vorallem das, worum sich ja alles dreht: Mehr Menschlichkeit.

Als aufgemotzte Kopie seiner selbst nur bedingt überzeugend


Wolfgang Huang
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Und es kommt die Zeit, in der wir alle keine Spezialeffekte mehr sehen wollen. „Matrix Reloaded“ weist in diese Richtung, weil er erwartungsgemäß das bisher technisch Machbare weit hinter sich lässt. Effekt um Effekt hagelt auf die Sinne nieder. Das begeistert, wirkt stellenweise aber zwanghaft großspurig und die Energie steckt nicht mehr an. Siche...