S.W.A.T. - Die Spezialeinheit
(S.W.A.T.)

USA, 117min
R:Clark Johnson
B:David Ayer
D:Samuel L. Jackson,
Colin Farrell,
Michelle Rodriguez,
LL Cool J
L:IMDb
„The gold standard of ass-kicking”
Inhalt
Mühsam hat sich Jim Street (Colin Farrell) bis ins legendäre S.W.A.T.-Team von Los Angeles hochgearbeitet, die vielleicht bestausgebildete Polizeieinheit der Welt, spezialisiert auf Geiselnahmen, terroristische Anschläge und andere lebensgefährliche Situationen. Doch als Streets Partner Brian Gamble (Jeremy Renner) bei einem Einsatz eine Geisel verletzt, hat das auch Auswirkungen auf Streets Karriere. Fortan schiebt er als Schreibtisch-Cop in der Waffenkammer Dienst. Eine zweite Chance bekommt er, als der S.W.A.T.-Veteran Dan „Hondo“ Harrelson (Samuel L. Jackson) ein neues Team zusammenstellt. Danach erhält die junge Truppe prompt einen Auftrag, der selbst hartgesottenen S.W.A.T.-Profis den Angstschweiß auf die Stirn treiben würde: Sie sollen den international gesuchten Drogenboss Alex Montel (Olivier Martinez) von der Untersuchungshaft ins Zuchthaus überführen.
Kurzkommentar
Das Poster spricht Bände. In seinem Kinoerstling kann der TV-Regisseur Clark Johnson über ein beträchtliches Budget und über gute Darsteller verfügen. Das macht „S.W.A.T.“ jedoch nicht automatisch zu einem guten Actionthriller. Viel mehr als klischeedurchsetztes Harte-Männer-Geprotze wird angesichts eines platten und vorhersehbaren Drehbuchs nicht produziert. Solide Actionmomente heben den spannungsschwachen Streifen nie über Stangenniveau.
Kritik
Sie sind die Cowboys der Straße und der Verbrecher spricht es auch aus. Man weiß nicht was mehr wiegt, die Waffe oder die Coolness. Egal, in den Händen der Härtesten der Härtesten der Gerechten machen Bleispritzen, kühl-dunkelblaue Uniformen, heiße Brillen und Choreographie des Anschleichens mächtig was her. In der „besten Spezialeinheit der Welt“ sind Hormone allgegenwärtig und auch die einzige Frau passt sich schnell dem Geschlechtsentwurf an, schon im Namen, während das Schlachtfeld auf Videoclipniveau vermessen wird. Das in Film- und Fernsehen kolportierte Bild der waffenstarrenden Asphaltelite hat unwiderstehlich viel proletenhaftes Machotum an sich, eben noch echtes Abenteuer. Schon in den 1970er Jahren versuchte das eine mittelmäßig erfolgreiche Fernsehserie einzufangen. Wie sie trägt die Kinofilmumsetzung jetzt das Sigel der Ultraharten: „S.W.A.T.“. Regisseur Clark Johnson wurde wohl deswegen mit der Umsetzung vertraut, weil er erfolgreicher Fernsehregisseur ist.

Die Rechnung geht nur bedingt auf, hat aber was angenehm Antiquiertes. Sollten die Erwartungen durch die viel versprechende Besetzung des Streifens mit Colin Farrel – demnächst die Uniform wechselnd und als Alexander der Große zu sehen - und Samuel L. Jackson hoch sein, dürften sie allerdings jäh enttäuscht werden. „S.W.A.T.“ ist klar überbesetzt. Colin Farrell hat nicht viel mehr zu tun als gut frisiert aus der Wäsche zu gucken, rollengemäß den Boxsack zu treten, auf den Showdown hinzutrainieren und Samuel L. Jackson zeichnet sich durch sein Brillenwerk und gesetzmäßig markige Sprüche aus. Und natürlich bietet die Eröffnung bereits das ganze Feuerwerk, macht unmissverständlich, dass hier die Hollywood-S.W.A.T. am Werk ist: die Bösen ballern bei einer Geiselnahme mit bösen Kalaschnikows um sich, bis sie vom Anschleichtrupp „neutralisiert“ werden. Immerhin, solide, druckvolle Action.

Dass sich einer der Harten dabei über die Befehlsgewalt hinwegsetzt, gibt „S.W.A.T.“ eine allzu typische Konfliktsituation, die, man ahnt es, irgendwas mit dem Ende zu tun haben muss. Colin Farrells Charakter muss sich bezeichnenderweise Jim Street nennen und sich loyalitätshörig hinter den Schreibtisch verbannen lassen, bis er für seine zweite Chance durch die Coolness persönlich, durch Dan 'Hondo' reaktiviert wird. Samuel L. Jackson mimt hier bloß zum zigsten Mal den militärischen Ausbilder. Die Handlungsentwicklung ist schon fast unverschämt schnörkellos, erinnert allzu deutlich an die einfallsfreie, vorhersehbare Struktur einer Fernsehfolge. Johnsons Dramaturgie beschränkt sich darauf, im ersten Erzählstrang episodenhaft den Ausbildungsalltag der erwählten Super- und Waffenelite zu zeigen, der die Coolness durch Tätowierungen auch sprichwörtlich auf den Körper geschrieben ist. Im zweiten Strang wird der notwendige Bösewicht und Antagonist eingeführt, ein x-beliebiger Superterrorist, der mit dem Gebot einer astronomischen Summe für seine Befreiung an den kriminellen Instinkt Aller appelliert.

Dann werden die beiden Stränge möglichst krachend in Konflikt gebracht, so dass schließlich auch die Superbullen mächtig in die Bredouille kommen im Versuch, den Bösewicht vor der Freiheit zu bewahren. Aber bezeichnenderweise bedarf es eines Korrupten aus ihren Reihen, um ihren Härtegrad überhaupt ernsthaft auf die Probe zu stellen; jeder Geburtsgangster wäre für die taktischen Genies bloß ein Spaziergang. Die Ballereien sind dann leidlich unterhaltsam und rasant geschnitten. Durch Spannung kann „S.W.A.T.“, der unbedingt laut und protzig statt psychologisch sein will, jedoch nie überzeugen. Angesichts der fähigen Schauspieler ist es schade, dass Johnson nur einen völlig durchschnittlichen Hormonstreifen gedreht, der vor Genreklischees und Zielgruppenanbiederung nur so strotzt.

Prahlerischer Copstreifen mit unterforderten Schauspielern


Flemming Schock