Neid
(Envy)

USA, 93min
R:Barry Levinson
B:Steve Adams
D:Jack Black,
Ben Stiller,
Christopher Walken,
Rachel Weisz
L:IMDb
„Where does the shit goes?”
Inhalt
Tim (Ben Stiller) und Nick (Jack Black) sind die besten Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen. Nick neigt eher zum Träumen und versucht Tim eines Tages für einen Blitzeinfall als Geschäftsidee zu begeistern: die Erfindung eines Sprays, das Hundekot in Luft auflösen lässt und unfeine Exkrementbeseitigungen überflüssig macht. Tim steigt jedoch nicht ein und postwendend ist nur Nick mehrfacher Millionär, denn der Einfall entpuppt sich als Verkaufsschlager. Jetzt bleibt Tim nichts anderes, als seinen eigenen Neid mit dem Reichtum Nicks wachsen zu sehen.
Kurzkommentar
Normalerweise steht Naturkomiker Jack Black („School of Rock“) für schwere Unterhaltung der schrägsten Art. „Neid“ basiert als Buddymovie zweier Nachbarn auf einer amüsanten Grundidee. Doch auch mit Ben Stiller und Jack Black in den Hauptrollen läuft die Klamotte niemals zur Höchstform auf. Dem gestandenen Regisseur und Oscargewinner Barry Levinson gelingt weder einer knackige Gesellschafssatire über menschliche Grundbefindlichkeiten noch eine platt-derbe, aber wenigstens kurzweilige Komödie.
Kritik
Spätestens in den fein parzellierten Vororten amerikanischer Städte ist der amerikanische Traum ins Stocken geraten. Das wird uns im Kino gerade seit „American Beauty“ glauben gemacht. Seither ist die kleinkarierte Oberflächlichkeit heuchlerischer und materialistischer Vorortexistenzen verstärkt ins Blickfeld der Satire geraten. Es geht um die Parodie einer Welt, die von Neid auf den Wagen des Nachbarn, von lebensfremder Sterilität, der Freude am Fettabsaugen und hysterischen Homeshoppingshows bestimmt ist, vom bequemeren Bürosessel bei der nächsten Beförderung im Job, von Dingen also, die die Welt fraglos braucht. Und auch der Rhythmus ist immer der gleiche, jeder Lebenssinn weit entfernt. Der Wahnsinn lauert unter der gebügelten Oberfläche.

Barry Levinsons Komödie hat mit der gesellschaftssatirischen Bissigkeit eines „American Beauty“ aber kaum etwas gemeinsam. Im gewissen Sinn wird die auf „inneren Werten“ begründete und geregelte Spießerexistenz sogar rehabilitiert, weil der erfüllte Traum des finanziellen Ausbruchs aus dem Mittelstandsalptraum nicht unbedingt moralisch korrumpiert, aber doch den Niedergang des Geschmacks in Protz bringt. Dann doch lieber das kleinere Übel, denn es überlebt noch immer die Freundschaft. Der Einfall, zwei benachbarte Mittelstandsfamilien, deren Ritual des Alltags bis ins Kleinste absolut konform ist, mit dem unerwarteten Einbruch maßlosen Reichtums durch Missgunst und Eifersucht in neue Spannung zu setzen, hätte viel komisches Potential und Möglichkeit der Karikatur geboten.

Aber Regisseur Levinson, der in den 80ern z.B. die Erfolgskomödien „Good Morning, Vietnam“ und „Rain Man“ (1988) drehte, scheint die kreativsten Tage hinter sich zu haben. Aus „Neid“ wird an keiner Stelle eine umwerfende Komödie, die Einfälle dezimieren sich bereits nach dem ersten Drittel der Laufzeit enorm. Daran ändert auch das Starduo von Ben Stiller und Jack Black nichts, wenn auch sie es sind, die den gegen Ende nervigen Streifen einigermaßen passabel über die Runden retten. Black, der gerade mit „School of Rock“ gerade seinen endgültigen Durchbruch gefeiert haben dürfte, spielt den eher passiven Stiller dabei erwartungsgemäß locker an die Wand. Black ist fraglos die Traumbesetzung für die Figur des verträumten Fabrikbeschäftigten, der mit einem genialischen wie überflüssigen Verkaufseinfall zum comichaften Superbonzen mutiert.

Allerdings beschränkt sich das ihm Abverlangte auf zwei schon fast typische Momente: das anarchische Gezappel und die tumultarische Mimik. Wortwitz gibt es kaum. So verkehrt sich Black als Nick Vanderpark in den fleischgewordenen surrealen Alptraum seines Freundes und Nachbarn, der gegen das nagende Monster des Neids und gegen die Vorwürfe der eigenen Frau gleichzeitig angehen muss. Spaßig ist die zentrale Idee und Parodie des Tellerwäschertraums, dass Vanderpark sprichwörtlich aus Mist Geld macht und durch die Erfindung eines Antiexkrementsprays bevorzugt gegen Hundekot zum Fäkalienguru aufsteigt und von der konsumgeilen Nation für diesen Irrsinn frenetisch gefeiert wird. Das aber als satte Gesellschaftskritik zu werten, würde zu weit gehen. Denn ehrlich, welcher Hundebesitzer würde ein Spray nicht kaufen, das den Stuhl des besten Freundes wundergleich in Luft auflöst. Ein echtes Symbol.

Welche Wendungen der Konflikt zwischen mittelständig und maßlos reich, „inneren“ und „äußeren“ Werten, Wunsch und Realität durchläuft, ist ziemlich bald klar. Der Plot von „Neid“ arbeitet die einzelnen Szenen flott und gradlinig ab, wobei Levinson vor allem das Missgeschick unterläuft, durchweg zu harmlos und bald langweilig zu bleiben. Dass Scheisse derart im Mittelpunkt steht, hätte wenigstens deftigen Fäkalhumorigkeiten allen Grund gegeben. Doch weder das noch ein wirklich konsequentes Übersteigern von Vanderparks Aufstieg in Richtung Comicrealität leistet „Neid“. So muss die Verwicklung um ein totes Pferd als Gagspender herhalten, was nur mäßig gelingt. Überhaupt gibt es zu wenige Wendungen, neue Situationen, die das Geschehen voranbrächten.

Christopher Walken hat als sinnierender Penner zwischen den Existenzen zwar wieder mal eine sehenswerte Nebenrolle, aber auch hier gilt, dass die in der Figur angelegten Möglichkeiten überwiegend unter den Tisch fallen. Als Zerrbild zivilisatorischer Endzustände im Homeshoppingkanal hält „Neid“ summa summarum leidlich bei der Stange. Es ist aber schade, dass jenseits des halbwegs originellen Endes weder unter die Oberfläche gehender Sarkasmus noch wirkliche Lacher möglich sind. Von Ben Stiller kennt man in letzter Zeit ja nichts anderes, für einen Streifen mit Jack Black enttäuscht das allerdings.

Pointenschwaches Buddymovie trotz guter Besetzung


Flemming Schock