Bad Boys 2
(Bad Boys II)

USA, 145min
R:Michael Bay
B:Ron Shelton, Jerry Stahl
D:Will Smith,
Martin Lawrence,
Jordi Mollà,
Peter Stormare,
Gabrielle Union
L:IMDb
„Everybody start shootin' at somebody!”
Inhalt
Drogenfahnder Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) übernehmen als Mitglieder einer Rauschgift-Sondereinheit des Miami Police Departments den Auftrag, die größte bisher entdeckte Lieferung von Ecstasy nach Miami zu unterbinden. Ihre Untersuchungen führen sie auf die Spur einer weitreichenden Verschwörung, in die ein gefährlicher Gangsterboss (Jordi Mollà) verwickelt ist. Dessen Ambitionen, den Drogenhandel in der Stadt unter seine Kontrolle zu bringen, haben bereits einen blutigen Krieg in der Unterwelt entfacht. Das freundschaftliche Arbeitsverhältnis von Mike und Marcus wird dabei überraschend auf eine schwere Probe gestellt, als sich Mike für Marcus´ Schwester Syd (Gabrielle Union) zu interessieren beginnt. Und bevor beide nicht das Persönliche vom Professionellen trennen können, laufen die „Bad Boys“ Gefahr, ihren Auftrag völlig zu vermasseln – und in Folge dessen auch noch Syds Leben aufs Spiel zu setzen.
Kurzkommentar
Hochglanz-Inszenator Michael Bay und Krawallproduzent Jerry Bruckheimer machen ihren Namen erneut alle Ehre und präsentieren mit „Bad Boys 2“ einen lauten, gänzlich anspruchslosen Actionfilm der „alten Schule“. Trotz sporadischer technischer Brillanz bleibt ihr Ausflug in die Welt der Posen aber zutiefst verabscheuungswürdig, weil sie ihren Unterhaltungsanspruch in jeder Minute über ein Mindestsoll an Humanität und Moral stellen.
Kritik
Man könnte „Bad Boys 2“ als typischen Machostreifen voller Waffen, Weiber und Verfolgungsjagden abtun. Man könnte ihn auch lediglich mäßig aufregend und gänzlich stereotypisch nennen. Man könnte es sich sogar leicht machen und einfach sagen: wir haben hier die x-te Variante des Bruckheimer-Actionfilms, der das Genre in den 90ern mit „Bad Boys“, „The Rock“, „Con Air“ und ähnlichem nicht unwesentlich beeinflusste, und wer das mochte, solle doch auch hier reingehen. Man wöllte sogar. Es geht aber nicht. Leider.

Krawall-Guru Jerry Bruckheimer und seine rechte Regiehand Michael Bay halten sich diesmal nicht (gänzlich) an ihr Actionschemata und waren wohl der Meinung, ihre schwache Dramaturgie durch eine übermäßige Ansammlung an inhumanen Elementen überdecken zu müssen. Und damit heben sie das übliche Gegenargument „Ist doch nur ein Film“ gehörig aus den Angeln, denn selten ging ein Film zynischer, aggressiver, schlicht ignoranter mit Moral und Menschenwürde um.

Das beginnt mit der kurzen, völlig unmotivierten Bullet Time-Sequenz zu Beginn des Films. Was im Science-Fiction Kontext der „Matrix“ neben dem offenkundigen Drang zum visuellen Spektakel sogar Sinn machte, wird hier zur makabren Zurschaustellung eines zeitverlangsamten Splattereffekts genutzt. Aber während das Splattergenre seltenst den Anspruch erhebt, echtes menschliches Leiden zur Schau stellen zu wollen und immer die entscheidende Grundironie aufbringt, wählt „Bad Boys 2“ gezielt die Realität als Hintergrund für seine Geschichte. Er möchte selbstverständlich nur rasante Actionunterhaltung voller lässiger Sprüche bieten, aber der Anspruch, doch noch irgendwo die Wirklichkeit darstellen zu wollen, hat seine dramaturgische Funktion. Er soll dafür sorgen, dass sich die Hauptfiguren zum einen in „echter“ Gefahr befinden können, die Realitätsnähe also vor allem Spannungsmotor sein soll, zum anderen, charakterliche Elemente wie die Boshaftigkeit eines Bösewichts akzentuieren zu können. Das birgt aber – und es ist schon traurig, dass sich Bruckheimer und Bay hier offenbar gänzlich unreflektiert darüber hinweggesetzt haben – die Pflicht, sich um die Moralvorstellungen ihres Filmes kümmern zu müssen. Und wenn seine Figuren gerade diese nicht haben, so muss genau das Gegenstand des Drehbuchs sein. Sei es nur in Nebenhandlungen oder –sätzen.

„Bad Boys 2“ hingegen opfert jedwede Moralvorstellung dem Altar der Posen und der „Coolness“. Wenn eine Verfolgungsjagd zur Steigerung des Actiongehalts eben danach verlangt, dass auch über Leichen gerollt werden muss, dann wird das eben so gemacht. Und sich nicht länger damit beschäftigt, ob man nicht auch auf intelligentere – oder zumindest gepflegtere – Weise Rasanz und Spannung hätte erzeugen können. Stattdessen reiht sich eine Unfassbarkeit an die andere: es gibt Körperteile in Eimern, Leichen mit großen Möpsen, Hummer-Verfolgungsjagden, denen ein ganzes Dorf zum Opfer fällt ohne dass nur ein Wort über die Bewohner verloren wird, dicke Töchterchen, die für billige Witze herhalten müssen und 15-jährige Verabredungen, die erstmal eine Knarre an den Kopf behalten kommen; worüber dann anschließend noch „High-Five“ gegeben werden, weil die Aktion so verdammt lässig war.

„Bad Boys 2“ möchte dadurch amüsieren, dass ein Gangster genau in den Lauf einer Pistole guckt, kurz „Oops“ sagt und anschließend sein vorzeitiges Ende findet, inszeniert seine zahlreichen Schussgefechte wie einen Krieg, lässt Menschen sterben als würde man „Saving Private Ryan“ Konkurrenz machen wollen. Aber all das tut er ohne jeglichen Anflug von dramaturgischer oder moralischer Reflektion, ohne auch nur eine Sekunde innezuhalten und wenigstens kurzzeitig zu konstatieren: wir sind hier zwar im Kino und wollen euch unterhalten, aber hier ist gerade ein Menschenleben verendet, vergesst das nicht. Und obwohl Martin Lawrence’ Charakter scheinbar echte Selbstbeherrschungsprobleme hat, wenn er im Gestank von abgestanden Leichen stehen muss, scheint er weniger Probleme damit zu haben, selber welche zu verursachen.

Die omnipräsente Ignoranz aber auch die Einfallslosigkeit überrascht umso mehr als dass sich niemand geringerer als Ron Shelton für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Jener, der zuletzt noch mit „Dark Blue“ einen betont naturalistischen Cop-Thriller inszenierte. Und ebenso jener, der mit dem Harrison Ford-Vehikel „Hollywood Cops“ kürzlich exakt diese Stereotypie des Actionfilms aufs Korn nahm und ironisierte. Vielleicht war „Bad Boys“ aber gerade der Grund dafür, dass Shelton „Hollywood Cops“ inszenierte. Die Tatsache, dass der zweite Teil über drei Jahre hinweg diverse Drehbuchfassungen (und –autoren) durchlief bis alle Akteure damit „zufrieden“ waren, spricht jedenfalls dafür, dass Shelton endgültig die Nase voll von uninspirierter Auftragsarbeit hatte und endlich mal eine Retourkutsche fahren wollte.

Proletenhaftes Getose und Gepose voller Inhumanitäten


Thomas Schlömer