Im toten Winkel - Hitlers Sekretärin

Deutschland, 95min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:André Heller, Othmar Schmiderer
D:Traudl Junge
L:IMDb
„Im Nachhinein denke ich: man hätte vielleicht doch versuchen können, mehr zu erfahren”
Inhalt
Von Herbst 1942 bis zum Ende des Naziregimes war Traudl Junge die Privatsekretärin Adolf Hitlers. Ständig war sie an der Seite des Führers. Ob in der Wolfschanze, am Obersalzberg oder zuletzt im Berliner Führerbunker. Im Frühjahr 2001 traf sich André Heller für mehrere Gespräche mit der damals 81-Jährigen.
Kurzkommentar
"Im toten Winkel" wirft gleich mehrere, bedeutende Fragen auf und genau darin liegt seine Stärke. Frau Junge erzählt unverblümt und direkt, aber auch präzise und - auch das muss zumindest einer kritischen Betrachtung standhalten - vielleicht sogar berechnend über ihren Aufgaben im Führerbunker und die letzten Tage bis zu Hitlers Tod. Sie wirkt ehrlich und selbstkritisch, die Komprimierung ihrer Aussagen auf Anekdoten und das "große Ende" birgt aber selbst wiederum den Hang zu Banalisierung und Verharmlosung. Dadurch, dass die Regisseure Heller und Schmiderer ihre Dokumentation lediglich auf die kargen Interviews reduzieren und äußerst selten das Augenmerk auf andere Details richten, entsprechen sie ganz dem Erzählten Frau Junges, deren Gestiken und Körpersprache nicht zuletzt auch was darüber berichten, wie sie das Gesagte empfindet. Einblendungen hätten da nur den Verdacht von Manipulation und "Wahrheitsverfälschung" aufkommen lassen. Dass Frau Junge aber so konzentriert und sicher zu erzählen vermag, liegt nicht zuletzt daran, dass die vorliegenden 90min aus zehn Stunden Material zusammengeschnitten wurden. Doch auch über das Erzählte hinaus zeigt sich "Im toten Winkel" als hochinteressante Diskussionsgrundlage: über die Funktion und Montage eines Dokumentarfilms, über seinen Wahrheitsanspruch, über das, was er zeigt und was er ausblendet, über Frau Junges Selbstreflexion, über ihre Einsicht, ihre Erkenntnis, darüber, ob sie es sich nicht "zu leicht macht", zu pathetisch wird, tatsächlich nur ein naives Opfer war.
(Die offizielle Homepage" sowie die Bundeszentrale für politische Bildung haben hier weiteres, anregendes Material zusammengetragen).
(Thomas Schlömer)