Haus über Kopf - Betreten auf eigene Gefahr
(Bringing Down the House)

USA, 105min
R:Adam Shankman
B:Jason Filardi
D:Steve Martin,
Queen Latifah,
Eugene Levy,
Joan Plowright,
Jean Smart
L:IMDb
„Dad, what's a rack? - A country.”
Inhalt
Eine Gefängnisinsassin (Queen Latifah) und ein spießiger Rechtsanwalt (Steve Martin) lernen sich über das Internet kennen und verlieben sich. Als sie entlassen wird und er sich auf ihr erstes gemeinsames Rendezvous freut, ist die Ernüchterung und Ungläubigkeit groß, als sie schließlich vor der Tür steht. Er möchte am liebsten den Kontakt sofort abbrechen, aber so leicht lässt sie sich nicht abschütteln.
Kurzkommentar
Filme wie "Haus über Kopf" liegen in Hollywood in der Schublade "seichte Familieunterhaltung", aber abgesehen von den üblichen Belanglosigkeiten und etwas faden Gags, quälen Adam Shankmans Komödie auch feine, rassistische Untertöne.
Kritik
Steve Martin ist so ein Phänomen für sich. Obwohl er nie einen außerordentlichen Film gemacht hat, kennen ihn die meisten halbwegs regelmäßigen Kinogänger. Das liegt zum einen an seinen recht erfolgreichen, teilweise eigens verfassten Komödien "L.A. Story", "Roxanne" und "Eine Wahnsinnsfamilie" Ende der 80er, Anfang der 90er, die allesamt auf familienkompatible Unterhaltung abzielen und vor allem auch in der Videothek keine Ladenhüter waren, zum anderen an seinen zahlreichen Gast- und Fernsehauftritten. Und so sei vor allem gesagt, dass Martin immer dann gut ist, wenn er nicht gerade in einer Familienkomödie auftaucht. So z.B. in David Mamets Drama "Die unsichtbare Falle", in der Buddy-Komödie "Ein Ticket für Zwei" an der Seite von John Candy oder auch als Host der Oscar-Verleihung, die er recht anstandslos von seinen Vorgängern Whoopi Goldberg und Billy Crystal übernommen hat.

"Bringing Down the House" fällt nun leider in die familienfreundliche Schublade und dem gängigen Steve Martin-Fan wirds wohl auch gefallen, aber wäre nicht die charismatische Queen Latifah an seiner Seite, gäbe es gleich gar nichts zu lachen. Zwar spielt Martin solide wie immer und hat auch ein paar hübsche Einzeiler auf der Lippe, aber da der Trailer schon die besten Gags verrät, die gewöhnliche Story keine Überraschungen offenbart und Regisseur Shankman (unendlich schlecht zuletzt: "The Wedding Planer" mit Jennifer Lopez) irgendwann auf filmparodistische Elemente zurückgreifen muss, weil ihm nichts eigenes mehr einfällt, stürzt das Haus doch ziemlich schnell zusammen.

Darüberhinaus zeigt der Film rassistische Tendenzen, weil ungefähr jeder zweite Gag auf Queen Latifahs Hautfarbe zurückzuführen ist. So wird sie in einer peinlichen Situation schnell als die "Nanny", also das Hausmädchen der Familie verkauft, da auf diese Weise ein konservativer Weißer auch nicht den Verdacht schöpft, im Hause Sanderson würden plötzlich schwarze Knastmuttern hausen. Und Latifah rückt dabei ihren prallen Körper nur allzu klischeehaft ins Bild der gesellschaftlichen Hierarchie. Solche Gags zünden wohl nur in einem Land, indem derartige Vorurteile noch bei weitem nicht ausgeräumt sind.

Vielleicht tut man einer harmlosen Komödie wie "Bringing Down the House" unrecht, wenn man ihn etwas härter rannimmt. Er meint es schließlich nur gut, will ja nur auf anspruchslose Weise unterhalten. Das gelingt ihm sicher über weite Strecken, denn Martin und Queen Latifah bilden ein gutes Team, aber sind unterbewusste Vorurteile nicht gerade die schlimmsten?

Renovierungsbedürftig und mit rassistischen Tendenzen


Thomas Schlömer