Journalistin, Die
(Veronica Guerin)

USA, 98min
R:Joel Schumacher
B:Carol Doyle,Mary Agnes Donoghue
D:Cate Blanchett,
Gerard McSorley,
Ciarán Hinds,
Brenda Fricker
L:IMDb
„Veronica, lass das sein!”
Inhalt
Mitte der 90er Jahre ist Dublin eine brandgefährliche Kriegszone, in der Drogenbarone das Sagen haben und das Leben keinen Pfifferling wert ist. Den erbittertsten Widerstand leistet nicht die Polizei, sondern eine einzelne Frau: die Journalistin Veronica Guerin (Cate Blanchett), die keine Gelegenheit auslässt, den Verbrechern in ihren Artikeln das Leben schwer zu machen. Damit macht sie sich Freunde in der Bevölkerung, die Veronica wie eine Heldin feiern, aber auch mächtige Feinde in der Unterwelt, die nicht länger zusehen wollen, wie eine Frau ihnen im Alleingang das Handwerk legen will.
Kurzkommentar
Moralisierend bleibt sich Joel Schumacher treu. Nach seinem originellen "Nicht auflegen" schafft er mit „Die Journalistin“ nur einen unbefriedigenden wie spannungsarmen Politthriller über das Leben der irischen Enthüllungsjournalistin Veronica Guerin. Die ausgezeichnete Cate Blanchett wird durch das schematisch einförmige Drehbuch in die Schranken gewiesen; unter der Produktion von Jerry Bruckheimer ein erwartungsgemäß kitschiges, noch halbwegs kurzweiliges Märtyrerdrama.
Kritik
Sein Einfluss nimmt zunehmend monokratische Züge an: was Produzenten-Guru Jerry Bruckheimer („Fluch der Karibik“) absegnet, das muss meist krachend laut und darf nur wenig schattiert sein. Die Barriere zwischen Gut und Böse ist hier noch schön geschieden, was Bruckheimers Helden meist strahlend weiß und ungebrochen macht. Das sind bedenkenswerte Voraussetzungen für die „Tatsachenverfilmung“ der 1996 ermordeten irischen Journalistin Veronica Guerin. Es verwundert einerseits, dass Bruckheimer sich überhaupt für einen derartigen, vergleichsweise unauffälligen, weil nicht-fiktiven Stoff entschied. Andererseits wirkt es nahe liegend, weil der Film alle Möglichkeiten bietet, die gegen das Verbrechen kämpfende Guerin, eine irische Volksheldin, eben in der gewohnten Weise und unkritisch zu portraitieren.

In den Händen von Regisseur Joel Schumacher ist die Thematik deswegen gut aufgehoben, weil er in seinem straff originellen Vorgängerfilm „Nicht auflegen“ in gewohnt großzügiger und nicht mehr appetitlicher Weise um sich warf, wofür das Leben der Guerin nun natürlich auch nutzbar gemacht wird: für Moralisierung. Eben diese unvermeidlichen Charakteristika eines Bruckheimer/Schumacher-Werks – die Schwarz-Weiß-Schattierung, der Hang zur pompösen Heldenkonstruktion und die moralinsaure Keule – machen aus Guerins Leben eine Heiligenvita, die sich nahtlos in dieses Schema fügt. Um den Film für das hiesige Publikum, dem der Name Guerins überwiegend unbekannt sein dürfte, attraktiv zu machen, wurde der Originaltitel durch „Die Journalistin“ ersetzt. Und diese ist ganz klar nicht narzisstische Sensationsreporterin, sondern mediale Märtyrerin.

Mit Cate Blanchett konnte Schumacher zwar eine der ohne Frage talentiertesten jüngeren Darstellerinnen gewinnen, der Aufmerksamkeit gebührt. Aber selbst sie und die prinzipiell überzeugend besetzten weiteren Rollen können den blassen Politthriller nicht vor dem Mittelmaß retten. „Die Journalistin“ fährt sich von Beginn an in absehbaren und eindimensionalen Bahnen fest. So ist es schon dramaturgisch ungeschickt, den Film mit einem Attentat auf Guerin beginnen zu lassen, da nach bereits nach den ersten Minuten der dann einsetzten Rückblende klar wird, dass das „tragische“ Ende dieser Unerschrockenen bereits vorprogrammiert ist. Damit ist die Spannung weitgehend weg. Entsprechende Kompensationsleistung hätte eine differenzierte Figuren- und Konfliktzeichnung bringen können, doch Schumacher zeigt kein Interesse, unter die Oberfläche zu schauen.

Eine nennenswerte Einführung, die den Figuren Substanz gegeben hätte, gibt es nicht. Urplötzlich sieht man Guerin mit der Drogenszene von Dublin in Konflikt. Hier sind die Fronten postwendend abgesteckt, derweil eine schwermütige Musikkulisse jungen Drogensüchtigen den entsprechenden Appellcharakter gibt. Damit ist das Ringen der Einzelkämpferin, natürlich alleingelassen gegen den kriminellen Mob, eröffnet. Was in den berechneten Szenen folgt, ist nichts weiter als das konsequente Aufbauschen und Zuspitzen eines als heldenmütig stilisierten Enthüllungsjournalismus, der in immer neuen naiven Anläufen im Wespennest herumstochert. Die Quittung folgt und die Apotheose, auf die Film starr zuläuft, auch. Die kitschige Ergriffenheit im Finale beendet diesen viel Potential verschenkenden Film form- und inhaltsgerecht.

Überbesetzte, als Politthriller getarnte Heldenverklärung


Flemming Schock