School of Rock
(School of Rock, The)

USA, 108min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Richard Linklater
B:Mike White
D:Jack Black,
Mike White,
Joan Cusack,
Joey Gaydos Jr.
L:IMDb
„Ich diene der Gesellschaft, indem ich rocke”
Inhalt
It's a long way to the top, if you wanna rock 'n'roll ..." Das bekommt auch Leadgitarrist Dewey Finn (Jack Black) zu spüren. Von seiner Band gefeuert und von Mietschulden geplagt, nutzt er die Chance und übernimmt einen Aushilfsjob als Lehrer an einer exklusiven Privatschule. Vom Unterrichten hat er natürlich keinen blassen Schimmer. Doch als Dewey entdeckt, dass seine Streber-Kids musikalisches Talent besitzen, setzt er kurzerhand das Projekt "Rockband" auf den Stundenplan. Nicht ganz ohne Hintergedanken, gilt es doch, den "Battle-of-the-Bands" zu gewinnen.
Kurzkommentar
In den USA war „School of Rock“ ein Überraschungserfolg. Die Formel ist einfach, aber sehr effektiv und teils inspiriert umgesetzt. Regisseur Richard Linklater gelingt in seinem bisher kommerziellsten Film über rockende Methoden im Musikunterricht eine erfrischende Neudefinition der Schulkomödie. Aber im Grunde ist „School of Rock“ nur eines: die Bühne für eine grandiose Einmannshow für Jack Black.
Kritik
An sich ist ja, wie wir durch Dewey Finn, den Helden des Films und seine Rocktheorie erfahren, „School of Rock“ schon ein Widerspruch in sich. Rock sei ja mehr als Musik, eine politische Grundsatzhaltung, der prinzipielle und immerwährende Aufstand gegen die Bosse, gleich, wer und wo sie sind. Und deswegen kann Rock, das Lebensgefühl des Revoluzzers, nicht institutionalisiert gelehrt werden, nicht schulisch und damit nicht durch eine autoritäre Instanz, den Lehrer. Gegen den gilt es Radau zu machen. Jemand der rockt, kann der Gesellschaft also per se nicht dienen oder vielleicht doch: er ist ja das stabilisierende Element des Ich-bin-dagegen. Man hätte erwarten können, dass ein Regisseur wie Richard Linklater aus einem Film, in dem es um Rockmusik geht, eine Gesellschaftssatire- oder ein Drama macht. Mit seinen vorigen Filmen, so „Before Sunrise“ und „Waking Life“ bewies er sich als aufstrebender Independent-Regisseur, der durchaus ernste, existentielle Töne anschlägt.

Dass Linklater sich aber durch die Ansiedlung der Rock-Thematik in einer Grundschule an einer Mainstream-Komödie versuchen würde, überrascht doch sehr. Und genauso überraschend ist das Resultat. „School of Rock“ ist sicher infantiler Quatsch, aber zum einen beweist er, dass es tatsächlich noch möglich ist, dass eine amerikanische Komödie, die im Schulbereich angesiedelt ist, auch wirklich komisch zu machen. Zum anderen ist die damit verbundene Grundidee, einen arbeitslosen Rockfreak sich als Lehrer in eine spießige Elite-Grundschule einschleichen zu lassen, absolut originell, wenngleich alsbald klar ist, nach welcher Formel der Film gestrickt ist. Größter Pluspunkt des Films und stets exaltiertes Zugpferd ist – das machen schon die ersten schrägen Minuten klar – Jack Black. Linklater hat in dem Komiker, der schon in „High Fidelity“ den Musikfreak raushängen ließ, ohne Frage die Idealbesetzung gefunden, auf deren Schultern der ganze Streifen ruht. Black schrieb zudem Teile der Musik des Films selbst.

So ist „School of Rock“ eine 100%ige One-Man-Show, nach der man vor allem eines weiß: Black ist spaßig wie kaum ein zweiter, womöglich eine der ganz großen Nummern im Komödiengeschäft der nächsten Jahre. Auch im wirklichen Leben ist er Musiker und in jeder Einstellung des Films sieht man dem irr herumtanzenden Schauspieler an, dass ihm der Spaß beim Dreh bis in den letzten Muskel gedrungen sein muss. Black scheint dabei nur ein gutes Stück seiner selbst zu spielen und es ist klar: dieses große Kind wird nie ruhig halten oder ernst sein können. Auch gut, denn Black gibt den ewig pubertierenden Rockpriester großartig, mit einer Komik, die sich zum großen Teil auch aus seiner Körpersprache speist, wenn er den Rock vor seiner Klasse mit vollem Einsatz predigt. Die besondere Chemie des Streifens bezieht Linklater freilich aus der Idee, die Pennäler diesmal besonders jung zu machen. In den Versammelten ist dann natürlich jedes Klischee vertreten, aber hier werden sie genüsslich ausgeschlachtet und auch für die sehr jungen Darsteller gilt: „School of Rock“ ist hervorragend besetzt.

Die Chemie stimmt also und so hält Blacks Rockzirkus, der die Elite-Kinder – natürlich Opfer eines Erziehungssystems mit gnadenlosem Kosten-Nutzen-Kalkül – in autonom-freiheitliche Zwergenrocker umformt. Den Bossen wird es mächtig gezeigt. Dabei bezieht das Szenario wesentlichen Reiz daraus, dass die Frage legitim ist, wer hier eigentlich kindischer ist, Lehrer oder Schüler. Joan Cusack ist ein einer albern formelhaften und dennoch passenden Rolle zu sehen. Für Überraschungsmomente sorgt Linklaters geradlinige Inszenierung freilich nicht und auch ist es so, dass das Situationskomikpotential nach etwa der Hälfe der Laufzeit doch deutlich zu schwächeln beginnt, weil klar ist, wie alles enden wird und Blacks Mätzchen in der Wiederholung ein wenig erstarren. Dennoch, „School of Rock“ ist insgesamt ein sehr herzvoller und origineller Blödsinn, der zweifellos mit der richtigen Portion Selbstironie rockt und dem Enthusiasmus im schulischen Musikunterricht so einige Lektionen erteilen könnte.

Frische Komödie mit einem Jack Black als Inkarnation des Rock


Flemming Schock