Unmöglicher Härtefall, Ein
(Intolerable Cruelty)

USA, 100min
R:Joel Coen, Ethan Coen
B:Joel Coen, Ethan Coen
D:George Clooney,
Catherine Zeta-Jones,
Geoffrey Rush,
Cedric the Entertainer
L:IMDb
„Du faszinierst mich!”
Inhalt
Marilyn Rexroth (Catherine Zeta-Jones) hat ihre Unabhängigkeit durch ein abwechslungsreiches Leben erreicht. Ihre Bilanz: Sechs Mal verheiratet, sechs Mal geschieden. Doch diesmal ist alles anders - in der Gerichtsverhandlung zur bevorstehenden Trennung von ihrem derzeitigen Ehemann schafft es Miles Massey (George Clooney), der windige Anwalt ihres Mannes, eine Unterhaltszahlung zu verhindern. Doch Marilyn Rexroth schwört Rache. Sie will ihn um das Geld bringen, das er mit der Scheidung machen konnte. Sowohl auf dem privaten als auch auf dem beruflichen Schlachtfeld tragen die Rivalen ihren Geschlechterkrieg aus. Doch wird die Sache etwas komplizierter, als zwischen den erbitterten Gegnern romantische Funken zu fliegen beginnen.
Kurzkommentar
Mit "Ein unmöglicher Härterfall" werden die Coen-Brüdern ihrem gewohnten Stil -möglichst abstrus, möglichst schräg- untreu und verlegen sich auf eine klassische Komödie, die vor allem von ihren Dialogen lebt. Das gelingt sogar recht gut, für einen bleibenden positiven Eindruck fehlt dem Film aber der notwendige individuelle Charme.
Kritik
Mit Filmen wie »Fargo«, »The Big Lebowski« und »O Brother, where art thou?« eroberten sich die Coen-Brüder eine feste Fangemeinde - alle drei Filme zeichnet ihr verschrobener Stil, ihr anarchischer Witz und ihr deutlicher Hang zur unkonventionellen Story aus. Es folgte »The Man who wasn't there«, eine erste deutliche Abkehr, ein langsamer, trister, storybasierter Film. Nun mit »Ein (un)möglicher Härtefall« die Rückkehr ins Komödienfach, doch eine andere Schublade. In der Tradition der Screwball-Komödien konzentriert sich der Film auf die explosive Chemie der Hauptdarsteller und deren Dialoggefechte.

Das Darsteller-Gespann aus George Clooney und Catherine Zeta-Jones ist dabei eine gute Wahl, wenngleich auch nicht die beste. Frauenheld Clooney stellt zweifellos die optimale Besetzung dar - mit der Rolle spielt er gewissermaßen seine eigene Parodie und erinnert in seinen besten Momenten an Cary Grant. An dessen Gegenpart Katherine Hepburn kommt Catherine Zeta-Jones, trotz Namensverwandtheit, jedoch bei weitem nicht heran - brav liest sie ihre Dialogzeilen, aber die wahre Verkörperung der Rolle fehlt ein wenig. Nichtsdestotrotz zünden so ziemlich alle Pointen, die auch die Übersetzung ins Deutsche recht gut überstanden haben. Die Dialoge sind ausgefeilt, sehr gut getimed, wenig artifiziell und so manches Mal sogar richtig überraschend. Einige abstruse Handlungswendungen konnten sich die Coen-Brüder, an alte Vorbilder anknüpfend, denn auch nicht verkneifen, obwohl diese aufgrund des ansonsten glatteren Äußeren ein wenig deplatziert wirken. Was dagegen voll ins Schwarze trifft ist die hintergründige Abrechnung mit Hollywood im Allgemeinen und dem typischen Komödien-Einerlei im Besonderen. Insofern hebt sich »Ein (un)möglicher Härtefall« doch recht wohltuend ab: Kein Dumpfbacken-, Brachial- oder Vulgärhumor, sondern vergleichsweise geschliffener Wortwitz und gut temperierte Situationskomik.

Und doch fehlt es dem Film an einer gewissen Nachhaltigkeit, an einem bleibenden Eindruck. Für einen Coen-Klassiker mangelt es der typischen komischen Absurdität, und auch als Komödie fehlt es an einer überschäumenden Spritzigkeit, an Brachialhumor am laufenden Band oder wenigstens an einer memorablen Konstellation. Für einen unterhaltsamen Abend taugt der Film allemal, den Eingang in die Film-Annalen wird er jedoch kaum finden.

Unterhaltsam, aber für Coen-Fans eher enttäuschend


Wolfgang Huang