Geständnisse - Confessions of a Dangerous Mind
(Confessions of a Dangerous Mind)

USA, 113min
R:George Clooney
B:Chuck Barris,Charlie Kaufman
D:Sam Rockwell,
George Clooney,
Julia Roberts,
Drew Barrymoore
L:IMDb
„Chuck, you're 33 by now and you haven't accomplished anything. Jesus Christ was dead and back again by the time he was 32.”
Inhalt
Erzählt wird die Geschichte über das Doppelleben des Chuck Barris (Sam Rockwell), eines legendären amerikanischen Entertainers - Fernsehproduzent bei Tag, Mörder für die CIA bei Nacht. Jung, voller Energie und auf seine Karriere in der wachsenden Fernsehindustrie Amerikas fixiert - und nach Jahren der "Entbehrung" endlich erfolgreich bei den Frauen - wird Chuck Barris von einer rätselhaften Person (George Clooney) verfolgt, die ihn schon bald in eine geheimnisvolle und gefährliche Welt hineinzieht: in die der CIA. Während Barris sich mit neuartigen und beliebten TV-Shows wie "The Newlywed Game" und "The Gong Show" als aufstrebender Fernsehproduzent einen Namen macht, tötet er - quasi im Nebenberuf - regelmäßig für die Regierung der Vereinigten Staaten. Während Barris sich im Glanz der beiden Welten sonnt, in denen er sich bewegt, gerät sein Leben allmählich aus den Fugen.
Kurzkommentar
Hollywood-Beau George Clooney legt mit "Confessions of a Dangerous Mind" ein ambitioniertes, stilorientiertes Stück Komödienunterhaltung vor, scheitert in der zweiten Filmhälfte jedoch daran, seinem bis dato comichaft-überzogenen Thema auch nachdenkliche Züge abzugewinnen. Indem ihm die Vermischung von Suspense-Krimi und eigenwilligem Amüsement nicht säuberlich gelingt, nimmt er seinem Debüt viel von seiner schöpferischen Kraft.
Kritik
Manchmal geistert ein elegantes Drehbuch durch Hollywood, das jeden, der es liest, begeistern kann und dennoch kommt und kommt die Verfilmung nicht in die Gänge. So schrieb das seit "Being John Malkovich" in Hollywood gefeierte "Wunderkind" Charlie Kaufman bereits vor der Jahrtausendwende eine Adaption zu Chuck Barris "Confessions of a Dangerous Mind". Darin behauptete der in den USA durch TV-Shows wie "The Dating Game" (bei uns: "Herzblatt") und "The Gong Show" (eine Art früher Vorreiter von "Deutschland sucht den Superstar") bekannt gewordene Show-Produzent, dass er neben seiner regulären Tätigkeit im Fernsehbusiness für die CIA tätig war und im Laufe seiner Agentenkarriere 33 Menschen getötet habe.

Ob das tatsächlich stimmt, wurde nie gelüftet. Barris jedenfalls behauptet heute noch, seine Geschichte entspräche beinahe vollständig der Wahrheit, fügt im Untertitel seiner Arbeit jedoch den feinen, ironischen Hinweis hinzu: "unauthorized autobiography". In dieser Doppelbödigkeit sah nun auch Charlie Kaufman den Reiz des Stoffes, denn wie in vergleichbaren Streifen à la "A Beautiful Mind" kann sich der Betrachter nie sicher sein, ob er nun der Fantasie des verschroben Chuck Barris folgt oder der tatsächlichen Realität. Einen derartigen Ansatz verfolgten bislang auch Regisseure wie Bryan Singer ("Die üblichen Verdächtigen") und David Fincher ("Fight Club") in ihren Karrieren und so scheint es nicht verwunderlich, dass beide für lange Zeit als potenzielle Regisseure im Gespräch waren. Zwischendurch zeigten sich auch Komödienerfölglinge Ben Stiller und Mike Myers an der Rolle der Hauptfigur interessiert, letzten Endes sprangen jedoch beide ab als niemand geringerer als George Clooney Miramax-Boss Weinstein überreden konnte, den Film unter eigener Regie zu drehen. Clooney, kurioserweise im TV-Geschäft groß geworden, weil seine Tante Rosemary im Show-Business tätig war, wollte nun Sam Rockwell ("Green Mile", "3 Engel für Charlie") als Barris sehen und konnte sich tatsächlich durchsetzen.

Rückblickend kann jedenfalls gesagt werden, dass Clooney nicht das schlechteste Händchen als Regisseur bewiesen hat, atmet sein Regiedebüt doch zumindest in der ersten Hälfte auf kongeniale Weise den Zeitgeist der 70er. Blasse Farben mit Andy Warhol-Touch, schräge Kameraeinstellungen, legere Musik von Alex Wurman. Hinzukommt ein flotter Schnitt, comichaft überzogene Charaktere und verschrobene Scherze aus des Feder Kaufmans (der erste ist direkt der beste: Barris steht nackt im Hotelzimmer, während eine Putzfrau ungestört ihrer Arbeit nachgeht). In Stil und Inszenierung merkt man Clooney hier seine "Mentoren" Soderbergh und die Coen-Brüder deutlich an, aber auch Guy Ritchies Filme ("Snatch'") scheinen Clooney nachhaltig beeindruckt zu haben. Sich selbst gibt er mit der Figur des CIA-Kontaktmanns Jim Byrd keine unwesentliche Rolle, aber er ist sich seines Charismas durchaus bewusst und wohl für diese Rolle nahezu optimal.

Und trotzdem auch Hauptdarsteller Sam Rockwell eine grandiose Figur macht und seinen Charakter mit der perfekten Mischung aus Irrsinnigkeit und Genialität mimt, tappen Kaufman und Clooney in die simpelste Falle, die das Genre zu bieten hat: die Vermischung von Komödie und Drama, von befreiter Coolness und ernster Emotionalität. Sie wollen Barris einerseits als Tolpatsch und Gaglieferanten feiern, andererseits seine Zerbrechlichkeit und Depression thematisieren. Beides funktioniert nur dann, wenn man es mit äußerster Vorsicht verheiratet und sehr subtil verschmilzt. "Confessions" jedoch stimmt den Zuschauer in der ersten dreiviertel Stunde auf stylische, lockere Unterhaltung ein, wenn er Barris "Aufstieg" zum erfolgreichen TV-Produzenten, seine skurrile Beziehung zur ausgeflippten Penny (ausnahmsweise mal äußerst passend: Drew Barrymore) und seinen "Spaß", als echter CIA-Undercover-Agent arbeiten zu können, offenlegt. Dann jedoch laufen die Dinge ernsthaft schief, Julia Roberts kommt als mysteriöse Auftraggeberin ins Spiel und letzten Endes wollen Kaufman und Clooney hier "seriösen" Suspense mit echtem "Whodunnit"-Krimi verbinden. Und das funktioniert leider nicht, wenn die erste Hälfte ein kleiner Comic-Marathon war.

Dennoch ist Clooneys Debüt kein Fehlgriff. Der Wille zu außerordentlicher Unterhaltung ist jede Sekunde spürbar und Kaufmans Skript hat immer wieder einige hübsche Einfälle parat (in Erinnerung bleiben Jim Byrd auf dem Pool-Sprungbrett, das finale Gift-Spielchen zwischen Barris und Patricia und der nahezu geniale Schlussmonolog), auch wenn es bei weitem nicht so brillant ist wie diverse Lobeshymnen zu verkündigen versuchten. Auch der Freundschaftsdienst von Julia Roberts erweist sich eher als störend denn rollengerecht, lenkt ihre Präsenz doch nur von der Funktion ihrer Figur ab.

Ob Barris' Lebensgeschichte nun der Wahrheit entspricht oder nicht, versucht der Film letzten Endes ebensowenig zu beantworten wie die Vorlage. Er will als stilsichere, skurrile Unterhaltung funktionieren und auch wenn ihm das nicht über die volle Laufzeit von 113 Minuten gelingt, kann er doch als inspirierter gelten als die meisten Konkurrenzarbeiten. Dafür sollte Clooney schon mal ein kräftiges "Danke schön" sicher sein.

Reizvolle und sporadisch skurrile, leider unausgeglichene Dramödie


Thomas Schlömer