Below - Da unten hört dich niemand schreien
(Below)

USA, 105min
R:David Twohy
B:Lucas Sussman, Darren Aronofsky, David Twohy
D:Bruce Greenwood,
Holt McCallany,
Matthew Davis,
Dexter Fletcher,
Jonathan Hartman
L:IMDb
„Where... is... our... crew!?”
Inhalt
Mit einem brandgefährlichen Auftrag wird ein amerikanisches U-Boot inmitten des Zweiten Weltkriegs hinter feindliche Linien geschickt: Drei Überlebende eines von den Deutschen versenkten britischen Bootes sollen gerettet werden, koste es, was es wolle. Schneller, als es Captain O’Dell lieb ist, heftet sich ein feindlicher Zerstörer ans Heck des U-Bootes und lässt sich nicht mehr abschütteln - allen noch so raffinierten Manövern O’Dells zum Trotz. Doch dann stehen die verzweifelten Seeleute noch vor einem anderen, einem viel schwereren, viel bedrohlicheren Problem, das sich zwar an Bord befindet, aber nicht von dieser Welt stammt.
Kurzkommentar
Ein kleiner, durchaus feiner Horrorfilm ist Regisseur David Twohy ("Pitch Black") mit "Below" gelungen. In der Tradition von eher zweitklassigen Horrorstreifen wie "Event Horizon" und "Sphere" entwirft er ein handwerklich solides, sporadisch immens spannendes Spiel um Schuld und Sühne, Halluzinationen sowie übernatürliche Ereignisse. Kein großer Wurf, aber allemal besser als die meisten seiner Genre-Kollegen.
Kritik
Das Filmgeschäft kann ganz schön unfair sein, das ist nichts Neues. Trotzdem macht es traurig, wenn man Genre-Vertreter wie "Below" entdeckt und gleichzeitig soviele andere, wesentlich uninspiriertere und weniger subtile Horrorfilme in Erinnerung hat, denen größere Aufmerksamkeit zuteil wurde und die wesentlich mehr Erfolg hatten. Leider entscheidet die Qualität eines Streifens aber in den seltensten Fällen über das Einspielergebnis an den Kinokassen. Besonders ärgerlich wird es aber, wenn eine Produktionsfirma einen gewöhnlichen Horrorfilm nach dem anderen ausspuckt, eine echte Größe dann aber beim Marketing versauern lässt.

So geschehen nun im Falle von David Twohys "Below", dass vom Miramax-Ableger "Dimension Films" produziert wurde und dem innerhalb der eigenen Firma so wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde, dass selbst zwei Wochen(!) vor Filmstart noch kein vollständiger Trailer veröffentlicht worden ist. Das ist schon kurios, zumal Regisseur Twohy zuvor mit "Pitch Black" einen Independent-Erfolg landen konnte und Action-Ikone Vin Diesel erst zu dem gemacht hat, was er heute ist. Stattdessen pumpt man ungleich mehr Geld in die Werbung von wesentlich schwächeren Streifen wie die "Scary Movie"-Trilogie, diversen "Halloween"-Ablegern und Aufgüssen wie "Dracula 2000".

Aber zum eigentlichen Film. Diesem kann man zwar handwerkliche Horror-Klischees vorwerfen kann (Schockmomente werden nach wie vor von lautem Musikgetöse gesteuert), in manchen Momenten ist er hingegen von vorzüglicher Spannung und zerrt verdammt stark an den Nerven. Dabei ist zunächst zu beachten, dass "Below" -dem ersten Eindruck widersprechend- kein U-Boot Film im klassischen Sinne ist. Twohy tat gut daran, keine weitere Variante von "Das Boot", "Roter Oktober" oder "Crimson Tide" zu drehen (das wurde zuletzt Jonathan Mostow bei "U-571" zum Verhängnis). Stattdessen nutzt er die klaustrophobische Umgebung nur dazu, seine Horrorelemente zu konzentrieren, denn Storybackground (zweiter Weltkrieg) und Plotaufhänger (deutsches U-Boot wurde abgeschossen) sind zweitrangig. Im Prinzip könnte der Streifen in den Weltraum verlagert werden und er würde ebenso gut funktionieren. Da Twohy sich hier aber schon ausgetoben durfte, ist das Verlagern in eine realere Umgebung mehr als legitim.

Sein Film lebt jedenfalls von sehr gut inszenierten Spannungsmomenten, auch wenn sich im Ganzen kein harmonisches Bild zusammenfügt. Twohy lässt vieles ungeklärt, rührt die Vergangenheit seiner Protagonisten gleich gar nicht an (es werden noch nicht mal die Umstände der drei Gestrandeten genauer unter die Lupe genommen) und verzichtet im Endeffekt auch auf die Klärung der übernatürlichen Ereignisse an Bord. Das ist teilweise klug, teilweise aber auch zu wenig, denn nur weil man nicht alles haarklein entpuzzlet, muss das nicht die beste Entscheidung sein. Dennoch nimmt er sein Sujet sehr ernst, verzichtet auf Hollywood-Gewohnheiten wie den großen Sympathisanten, der immer 'nen lockeren Spruch bringt und am Ende auf jeden Fall überleben muss. Auch auf Klischee-Elemente wie Torpedo-Angriffe und große Showdowns greift er weniger zurück. Und wenn doch, wie im Falle des Sauerstoff-Mangels, nutzt er es nur, um vielleicht doch eine Erklärung für die potenziellen Halluzinationen seiner Figuren zu formulieren. Es gibt zweifelsfrei Filme, die psychologisch ausgefeilter sind als "Below", aber für einen "einfachen" Horrorfilm ist das angenehm umsichtig.

Zu guter Letzt macht "Below" nur seine letztlich konventionelle Plot-Struktur (die sukzessive Aufklärung der Todesursache des ursprünglichen Captains) und manche rhythmische Holprigkeit zu schaffen. Gelegentlich bekommt man den Eindruck, Twohy kann es gar nicht erwarten, in die Tiefen des Meeres vorzudringen, so schnell folgen die Ereignisse in den ersten zwanzig Minuten. Den folgenden Spannungsmomenten nimmt das aber nicht die Kraft und so bleibt "Below" ein besserer Beitrag zur Horror-Reihe à la "Event Horizon" und "Sphere".

Kein Quantensprung des Horrorfilms, aber subtil und effektiv


Thomas Schlömer