Barber Shop
(Barbershop)

USA, 102min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Tim Story
B:Mark Brown
D:Ice Cube,
Cedric the Entertainer,
Sean Patrick Thomas,
Troy Garity
L:IMDb
„There's too much of me to go around.”
Inhalt
Calvin (Ice Cube) ist das Leben als Besitzer eines Barbershops zu eintönig, er will mehr. Deshalb verkauft er ohne das Wissen der Belegschaft den von seinem Vater geerbten Laden an einen Kredithai. Doch erst mit der Zeit bemerkt Calvin, dass sein Barbershop eine Anlaufstelle für die schwarze Gemeinde Chicagos und ein echtes soziales Zentrum ist. Und so beschließt Calvin, den Laden wieder zurückzukaufen - doch das bleibt nicht ohne Konsequenzen.
Kurzkommentar
Dass es so etwas noch gibt: Eine amerikanische Komödie, die ganz still und leise, unprätentiös und ohne Gekreische daherkommt. Unglaublich treffsichere Dialoge, gute, sympathische Charaktere, eine harmlos-nette Story und die tolle Atmosphäre machen "Barbershop" zu einem kleinen Juwel.
Kritik
Amerikanische, schwarze Komödie: Da denkt man gemeinhin an solche Zaunpfahlschwenker wie Eddie Murphy oder Martin Lawrence, an denen wirklich jedes bisschen subtilen Humors abprallt. Doch nicht so "Barbershop": Hier geht es ruhig und beschaulich zu, die meiste Zeit spielt sich das Geschehen in einem kleinen, aber stets gut gefüllten Barbershop ab. Der Witz entsteht nicht durch Peinlichkeiten oder vollkommene Unglaubwürdigkeiten, sondern durch die Wortwechsel der liebenswürdigen, wenn auch allesamt etwas schrulligen Mitarbeiter und Besucher des Barbershops.
Natürlich sind auch diese Charaktere klischeehaft, dennoch aber zugleich lebensecht, glaubwürdig und vor allem sympathisch, trotz oder gerade wegen ihrer Fehler.

"Barbershop" wirkt fast ein wenig wie die schwarze Variante von "Smoke": Eine überschaubare Hintergrundstory, ein intimes, familiäres Setting mit Stammkundschaft, kontrastreiche Charaktere, und ein jeder gibt wahlweise seine Lebensgeschichte oder seine Lebensweisheiten zum Besten. Die eigentliche Handlung von "Barbershop" scheint mehr ein Hintergrund für das Setting, obwohl der Nebenplot ebenfalls ausgesprochen komisch, und die finale, dramatische Zusammenführung zwar nicht spektakulär, aber dennoch wohl durchdacht und irgendwie herzerfrischend ist.

Überhaupt: Endlich mal wieder eine Komödie, die sich nicht aus Peinlichkeiten und Ekligkeiten speist, ihren Witz nicht aus Schadenfreude und der unnatürlichen Verteilung diverser Körperflüssigkeiten bezieht, sondern aus einem natürlichen Charme. Und der entsteht auch durch die "gute" (man ist versucht zu sagen: christliche) Botschaft: Sei solidarisch, sei ein guter Mensch, hilf anderen, stiehl nicht, sei immer freundlich und fair, sei nicht anmaßend. Klingt schon irgendwie verstaubt, aber die unaufdringliche Art, in dem einen "Barbershop" diese Botschaft - die so ganz frei von Gewalt, Heldentum, Patriotismus, Hass, Schmalz und ähnlichen Standardthemen ist - nahebringt, lässt einen den Kinosaal in richtig positiver Stimmung verlassen.

Die Inzenierung ist zweckmäßig und verzichtet auf sämtliche Mätzchen - die wären auch fehl am Platze. Die Besetzung dagegen verdient mehr als eine lobende Erwähnung. Alle Charaktere sind wohlgewählt und schön dargestellt. Bleibt nur zu hoffen, dass das amerikanische Original die deutsche Synchronisation übersteht und nicht den fatalen Eddie-Weg wählt. Wenn das gelingt, dürfen sich alle Nicht-Misanthropen auf einen äusserst lustigen Gute-Laune-Film freuen.

Schwarze "Smoke"-Version mit hohem Gute-Laune-Faktor


Wolfgang Huang