Halbtot
(Half Past Dead)

USA, 98min
R:Don Michael Paul
B:Don Michael Paul
D:Steven Seagal,
Morris Chestnut,
Ja Rule,
Nia Peeples,
Kurupt
L:IMDb
„Wanna blow someone?”
Inhalt
FBI Agent Sascha Petrosevitch (Steven Seagal) wird undercover in ein Gefängnis eingeschleust, um zu verhindern, daß der zu Tode Verurteilte Nick Frazier dem Ganoven Donny, der gemeinsam mit ein paar Komplitzen ebenfalls das Gefängnis infiltriert, das nur ihm bekannte Versteck von Gold im Wert von $200 Millionen zu verraten.
Kurzkommentar
Für Hollywoodehren war Videostar und Prügelrentner Steven Seagal bereits beerdigt. Schon deswegen ist der fatale Titel unmissverständlich Programm. Unter angemessen zweitklassiger Regie werden Szenen fließbandgleicher Gewalt mit einer übel zusammengekupferten Billigausführung von "The Rock" und angestrengter Rap-Coolness vermengt. Richtige Männer finden sich beglückt, die anderen trauern. Denn "Half Past Dead" taugt nicht einmal zum amüsanten Müll.
Kritik
Gebrochene Helden, sympathische Bösewichter, Action mit Philosophie und Auflösung der Folien von Protagonist und Antagonist, das ist doch alles nichts, nur aufgesetzte Show. Die Welt ist schon kompliziert genug. Plädieren wir wieder für klare Verhältnisse, für Filme, die so blöd sind wie ihr Titel ehrlich ist, für Filme, in denen geschossen, großzügig geprügelt und sicher nicht gefragt wird. Wie Mann hier sein kann, zeigt Steven Seagal, der unerbittliche Wiedergänger hirnloser Haudrauf-Action. Deren Tage sind zwar Vergangenheit, muss das Ideal des heutigen Actionstars doch auch sprechen können. Das ist der Grund, wieso Jean-Claude Van Damme gegenwärtig nur noch für schmuddelige Videoproduktionen belgischen Spagat übt. Einst hatten die "Muscles from Brussels" zusammen mit dem Sandsackmimen Seagal Kultcharakter.

"Half Past Dead" pointiert also unbewusst, dass auch der angesetzte Schlägersenior Seagal im Grunde schon lange für den Videomarkt ausrangiert und für Hollywood wenigstens halbtot ist. Doch stilbildende Konsequenz ist ihm wenigstens anzurechnen, denn verleugnet hat er sich keinen Moment und teilt immerwährend wild entschlossen gegen das Böse satte Ohrlaschen aus. Egal, ob ranziger Schiffskoch oder Ökofighter - Steven Seagal-Filme reproduzieren sich nach dem immergleichen Muster: Seagal ist alleine, ist gegen alle und damit auch ja nicht zu viel Worte gemacht werden, gibt es ordentlich auf die Fresse. Bis das Gute siegt. Der Rest ist Kosmetik, so auch Handlung und Regisseur. Und so landet ein Teil der Verantwortlichkeit für das endpeinliche Ergebnis auch beim unbeschriebenen Don Michael Paul.

Viel zu retten oder falsches Niveau vorzugaukeln war angesichts von Hauptdarsteller und Drehbuch ohnehin unmöglich. Der Plot - insofern relevant - ist ein übel zusammengeschustertes Kopierwerk aus Gangster-Rap-Attitüde, klassischem Harte-Jungs-Knastdrama auf Alcatraz und angestrengter Angeberaction nach "The Rock"-Vorlage. Die Dramaturgie beginnt, sobald das Feuer aus allen Rohren und nervtötend penetrante Metall-Musik aus den Lautsprechern hämmert. Das Konzept ist das erklärt sinnfreie wie antiverbale, muss doch in jeder Szene zumindest irgendwer aufgemischt werden. Andererseits macht das insofern Sinn, als jede versuchte Nahaufnahme von Seagal und seinem Gangster-Bruder, authentisch gespielt von Ja Rule, in stumpfesten Minimaldialogen mündet. Dann doch lieber wortloser Schlagabtausch.

So sind fragmentarische Handlung und Figuren bloß Vorwand und Kitt für die von Seagal gewohnte Rambo-Nummer. Sobald das Geschehen auf Alcatraz seinen Lauf nimmt, rückt der vorige Plot auf amateurhafteste Weise in den Hintergrund. Es zeigt sich das altbekannte Bild: ein paar niederträchtige Pappkameraden nehmen Geiseln, Seagal ist als Super-FBI-Undercover-Bulle unerkannt und rümpelt den Laden kräftig aus. So geht es zur Sache, doch selbst die handwerkliche Seite ist ein trauriges Kapitel, weil Seagal-typisch. Gewalt wird hier, das ist klar, nicht als ästhetische Kunstform ("Matrix") geläutert. Dank hektisch-dilettantischer Schnittarbeit wirkt die visuelle Stümperei eher wie lärmende Kneipenprügelei, in der Seagal jeden Verdacht auf Kampfkunst resolut niederwalzt.

Nicht eine Mine verzieht der Meister und gibt neben behäbiger Körpermasse und Schlägen ab und an einen bemühten Einzeiler von sich. Das mag zwar den Erwartungen entsprechen und hartnäckige Fans nicht enttäuschen. Es reicht aber nicht, "Half Past Dead" aus der müllgleichen Beliebigkeit herauszubringen und einen deutschen Verleih zu rechtfertigen. Seagals "einzigartiges Charisma" sollte ihn als Trashikone installieren, doch "Half Past Dead" ist einfach in allen Belangen absolut tot und nicht einmal unfreiwillig komisch.

Peinlicher Schläger-Fast-Food mit verschenktem Trashpotenzial


Flemming Schock