About a Boy

USA / England, 101min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Paul Weitz, Chris Weitz
B:Nick Hornby,Peter Hedges, Paul Weitz, Chris Weitz
D:Hugh Grant,
Toni Collette,
Rachel Weisz,
Sharon Small
L:IMDb
„Moment, moment mal, Sie haben gar keinen Freund? Sowas nenn' ich eine Menschrechtsverletzung!”
Inhalt
Will (Hugh Grant) ist charmant, gutaussehend, reich, aber auch oberflächlich und egozentrisch. Kurzum: Er ist der Typ, auf den viele Frauen fliegen. Ein unwiderstehlicher Herzensbrecher, der mit einer neuen Taktik auf Frauenfang geht. Selbsthilfegruppen für allein erziehende Mütter und Väter ist genau der richtige Ort, um auf einsame Frauen zu treffen. Aber dann lernt er einen ungewöhnlichen Jungen (Nicholas Hoult) kennen.
Kurzkommentar
Es war durchaus Skepsis angebracht, ob das amerikanische Brudergespann Chris und Paul Weitz ("American Pie") die richtige Besetzung für den Regiestuhl einer britischen Vorlage ist, zumal Stephen Frears mit "High Fidelity" die Messlatte für gelungene Nick Hornby-Adaptionen reichlich hoch gelegt hatte. Letztendlich überzeugt der Film aber ebenso wie sein inoffizieller Vorgänger mit vortrefflichen Dialogen, sauberer Balance zwischen Drama und Komödie und nicht zuletzt einer grandiosen Besetzung.
Kritik
Schon bei der Verfilmung von Nick Hornbys Roman "High Fidelity" waren die Filmrechte seines jüngsten Romans "About a Boy" heiß umkämpft. Unter Einsatz von Hugh Grant persönlich bekam schließlich Robert De Niros Produktionsfirma den Zuschlag und nachdem New Line Cinema als weiterer Geldgeber abgesprungen war, stieß Universal Pictures hinzu und wollte den Film realisieren. Nun hatte "High Fidelity" mit John Cusack und unter der Regie von Stephen Frears aber die Messlatte für eine gelungene Hornby-Adaption reichlich hoch gelegt und so wollte man sich nicht nur finanziell keine Pleite leisten. Umso erstaunlicher, dass man sich für die Weitz-Brüder als Regisseure durchringen konnte, haben sie mit "American Pie" und "Einmal Himmel und zurück" doch nicht gerade ihre Ader für subtilen Humor aufblitzen lassen. Dementsprechend fiel auch Grants erster Kommentar aus: "Hey, why them? In this movie nobody's gonna have sex with a pie".

Grant und die Produzenten liessen sich von den Gebrüdern Weitz bei einem persönlichen Treffen jedoch überzeugen, da sie selber große Fans der Vorlage und schon fast besessen von der Inszenierung waren. Glücklicherweise stellt der geneigte Zuschauer beim nun vorliegenden Ergebnis fest, dass die beiden Geschwister nicht zu viel versprochen haben und durchaus der wohl größten Herausforderung, nämlich der Ausbalancierung von Komödie und Drama, gewachsen sind. Wie schon "High Fidelity", der im direkten Vergleich noch einen Tick subtiler und frecher bleibt, lebt "About a Boy" von den lakonischen, gewitzten Dialogen, der kongenialen Inszenierung und nicht zuletzt von grandiosen Darstellern. War es im Vorgängerfilm John Cusack, der dem desillusionierten, unbeständigen Mitt-30er das passende Gesicht gab, so ist es hier Hugh Grant, der als stinkfauler, stinkreicher und stinkarroganter Yuppie das perfekte Von-Beruf-Sohn-Gesicht aufweisen kann. Model-Frisur, trendige Klamotten und Designer-Wohnung stehen Grant derart gut zu Gesicht, dass man angesichts seiner selten so gut sitzenden Mimik fast von der bislang besten Rolle seines Lebens sprechen möchte.

Der eigentliche Star des Films ist aber (wie man nach "High Fidelity" insgeheim erwartet und gehofft hatte) das Timing des Streifens, die lockere Inszenierung, die knackigen Dialoge und vor allem die dauernden Kommentare aus dem Off. Hier erfährt der Zuschauer nicht nur die Wills Gedanken, sondern auch die des 12-Jährigen Marcus, was besonders in der Restaurant-Szene zu einigen gelungenen Gags führt. Derartige Stilmittel sind jedenfalls genau die richtigen, um Hornbys Vorlage gerecht zu werden und es leinwandtauglich zu machen.

Insgesamt erinnert "About a Boy" aber nicht nur an Frears Adaption von "High Fidelity", sondern stellt eine Art Gegenstück zur letztjährigen Frustrationsbewältigung "Bridget Jones" dar, indem Grant auch schon sehr genüsslich gegen sein bisheriges Image anspielte. Letztendlich unterscheiden sich die beiden Streifen nur in ihrer geschlechtlichen Sichtweise. Sie sind in ihrer zynischen Stimmung sehr ähnlich, beide unheimlich witzig und teilen vor allem eines: sie kommen aus England, das damit wieder einmal beweist, welches Land in Sachen Komödie die Nase eindeutig vorn hat.

Erneut kongeniale Adaption einer Nick Hornby-Vorlage mit tollen Darstellern


Thomas Schlömer