Fear Dot Com
(FearDotCom)

USA, 101min
R:William Malone
B:Moshe Diamant, Josephine Coyle
D:Stephen Dorff,
Natascha McElhone,
Stephen Rea,
Jeffrey Combs,
Udo Kier
L:IMDb
„I don't want you to see this!”
Inhalt
Vier Tote in New York mit ähnlichen Verletzungen machen den Polizisten Mike Reilly (Stephen Dorff) und die Medizinerin Terry Houston (Natascha McElhone) hellhörig. Im Laufe der Zeit entdecken sie, dass eine grausame Website der Ursprung ist - wer sie besucht, muss wenig später auf grausame Weise sterben.
Kurzkommentar
"Fear Dot Com" bringt einen wirklich zum Gruseln - aber leider nur wegen seiner miserablen Qualität. Die abgedroschene Botschaft, die farblose Inszenierung, der unlogischste Plot der letzten 10 Jahre, billige Horrorszenen und ein nicht erwähnenswerter Rest verdammen "Fear Dot Com" hoffentlich bald ins ewige Vergessen.
Kritik
Nach den Büchern, dem Radio, dem Fernsehen und den Computerspielen ist nun also das Internet an allem Übel schuld. Zwar keine neue Idee, aber möglicherweise dennoch ein tragfähiges Konzept. Zumal die Drehbuchautoren noch ein bisschen "Blair Witch Project" und NIN-Videoclip-Athmossphäre dazu gepackt haben. Wird also schon klappen.

Leider haben sie darüber die Handlung vergessen und so ziemlich das dümmlichste Drehbuch geschrieben, das mir in der letzten Zeit untergekommen ist. Die Handlung strotzt nur so vor logischen Fehler, die einen lauter aufschreien lassen als die im Film gequälten Opfer. Stephen Rea, der Oberbösewicht schaut übrigens auch eher gequält denn sadistisch erfreut drein - kein Wunder. Dazu kommt eine äußerst unglückliche Vermischung von realen Ereignissen und Traum/Fantasie/Mystik-Szenen, die letztlich völlig unverständlich werden lassen, was auf dem Bildschirm gerade so vor sich hin wabert. Apropos wabern: Das gleiche Modell setzt sich auch in Inszenierung und insbesondere im Schnitt fort: Das Problem war offensichtlich, dass allerlei Grausamkeiten dargestellt werden sollten und diese dank Abhärtung des Zuschauers möglichst heftig ausfallen mussten. Nun muß man heutzutage rein optisch schon schwere Geschütze auffahren, um noch merkliche Regungen zu erzielen. Da das aber nun wieder zu harter Stoff gewesen wäre, ergeht sich der Film in verhuschten Andeutungen, und schnellen Bildfolgen, die aber wieder langsam genug sein müssen, damit man was erkennt. Kurz gesagt, letztlich ergibt sich ein seltsamer Brei von Bildern, der wahrlich keine überzeugende Bildsprache darstellt, und zusammen mit den wirren Handlungselementen ziemlich konfus macht.

Der Grundgedanke wäre dagegen gar nicht so schlecht gewesen. 48 Stunden, nachdem jemand eine bestimmte Website betrachtet hat, stirbt er. Daraus ließe sich ein solider Horrorfilm basteln, sofern man ein Minimum an Logik walten läßt und sich an die eigenen Regeln hält. Tut "Fear Dot Com" aber leider nicht (und weshalb nicht, erschließt sich auch nicht so recht), was auch die Handlung beliebig macht. Über die philosophischen Implikationen der Botschaft (negative Auswirkung von Medien, Verlust der moralischen Werte durch Gewaltkonsum, Abstumpfung durch Mediengebrauch, etc.) oder die inhaltlichen Probleme wie etwa das transportierte Frauenbild lohnt es sich angesichts dieses Films nicht zu diskutieren: Denn es ging offensichtlich nur darum, möglichst viele unappetittliche Szenen hintereinanderzuschneiden, auf das der Zuschauer möglichst erschreckt ist.

Ein US-Kritiker schrieb, "Fear Dot Com" sei zwar billiger Trash-Horror, aber er funktioniere. Falsch. Vielmehr ist es billigster Trash-Ekel, und sobald man sich einmal dran gewöhnt hat (denn der Film ergeht sich in endlosen Wiederholungen), ist es kein bisschen erschreckend mehr.
Somit ist Malones Horror weder von der pädagogischen Sorte, noch von der angenehm gruseligen (wie etwa sein letzter Film "House on Haunted Hill" wenigstens noch in Teilen).

Er ist billig, schlecht und unnötig.

Wirrer, ekliger und vor allem unnötiger Trash-Horror


Wolfgang Huang