Halloween

USA, 109min
R:Rob Zombie
B:Rob Zombie
D:Malcolm McDowell,
Danny Trejo,
Scout Taylor-Compton,
Bill Moseley,
Leslie Easterbrook
L:IMDb
„Bitch, I will crawl over there and I will skull fuck the shit out of you!”
Inhalt
Als der zehnjährige Michael Myers (Daeg Faerch) in der Nacht von Halloween zum ersten Mal mordet, sind die Bewohner der Kleinstadt Haddonfield in Illinois fassungslos. Nur zu gern möchte man diesen schrecklichen Vorfall schnell vergessen. Michael wird in eine geschlossene Anstalt gesteckt, wo Dr. Loomis (Malcolm McDowell) jahrelang versucht, mit dem Jungen zu kommunizieren. Während sich Haddonfields Teenager Jahre später auf ein neues Halloween vorbereiten, flieht der inzwischen 25-jährige Michael (Tyler Mane) aus der Anstalt. Und nun ist niemand vor dem eiskalten Maskenmörder sicher.
Kurzkommentar
Weltweit hatten sich die Halloween-Fans wohl erträumt, dass der kontroverse US-Regisseur Rob Zombie ("Haus der 1000 Leichen") den Michael Myers-Mythos durch rabiate Vorgehensweise neues Leben einhauchen würde können, um die finstren Sequel-Dämonen, die wie eine starre Seuche die Serie in ihren fauligen Armen gefangen hielten, zu vertreiben. Nach einem fulminanten und bildgewaltigen Auftakt, gerät jedoch auch dieser 9. Teil der Serie in das seichte Fahrwasser der konventionellen und biederen Vorgänger. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen.
Kritik
Selig können die sich schätzen, die den fürchterlichen letzten Teil der Serie ("Halloween: Resurrection") mit Schauspielnull Busta Rhymes schon aus ihrem Gedächtnis gestrichen haben. Es war grauenhaft. Auch andere Teile der Serie waren, euphorisch gesprochen, recht dünne Gruselkost. Vielleicht liegt das in der Natur der Figur Michael Myer. Wenn schon der Soziopath schweigend seinem grausigen Geschäft nachgeht, muss der Rest stimmen. Erinnert sich noch jemand an "Halloween 4: The Return of Michael Myers"? Oder an "Halloween: The Curse of Michael Myers"? "Halloween 5: The Revenche of Michael Myers"? Und wenn ja, können Sie sie noch auseinander halten? Nun, so viel also zum gerade angesprochenen "Rest". Mit anderen Worten – für viele langjährige Anhänger des Maskenträgers lag die Serie sprichwörtlich im Sterben, bis, ja bis zu dem Zeitpunkt als bekannt wurde, dass Rob Zombie die Regie für den neunten Teil übernehmen würde.

Kurzzeitig überlegten die Verantwortlichen, ob man nicht dem erfolgreichen Cross Over – Model von "Freddy VS. Jason" folgene, und Myers gegen den Pinhead aus "Hellraise" antreten lassen sollte. Diese Idee wurde allerdings fallen gelassen, nachdem die Fanboy-Resonanz eher negativ ausfiel; vielleicht kommt man ja in nächster Zukunft auf diese Pläne noch einmal zurück.

"These eyes will deceive you, they will destroy you. They will take from you, your innocents, your pride, and eventually your soul. These eyes do not see what you and I see. Behind these eyes one finds only blackness, they absence of light, these are of a psychopath." Der Regisseur schlägt einen schwierigen Weg ein. Sein 15 Mio. Dollar Variante der Reihe versucht mehr oder minder in Ansätzen zu klären, weshalb der kleine süße Fratz, übrigens hervorragend gespielt von dem jungen Tyler Mane, zum sinistren Psychopathen avanciert. Dabei lässt Zombie kein noch so triefendes Klischee aus – geboren in eine total herunter gekommene und – gewirtschaftete White Trash Familie, die aus einer ältlichen Strippermutti, einem dauersaufenden, und fluchenden Vatti und einer leicht pseudo-nymphomanisch portraitierten Schwester besteht, versagt Michael zunehmend auch in der Schule, wird dort gehänselt und gequält, trägt fiese Rocker-T-Shirts und beschließt, seine Aggressionen an Haustieren auszuleben.

Eine schwierige Entscheidung muss dies für Zombie gewesen sein, schließlich geht mit der Verweltlichung eines mysteriösen oder übernatürlichen Killers oftmals eine Abschwächung durch eben jene Kontextualisierung einher. Möchte man als Zuschauer denn überhaupt wissen, wieso Myers das wurde, was er nun ist? Zum Glück haben wir es aber mit Rob Zombie zu tun – dessen visionäre Bebilderungskraft gerade diesen ersten Teil des Films zum Glanzpunkt des ganzen Projekts "Halloween"-Remake werden lässt. Dieser asoziale Haushalt, so möchte der aufgebrachte und doch gleichzeitig beruhigte Bürger gerne glauben, kann nur Killer gebären. Randfiguren der Gesellschaft, deren Hass sich in todbringenden Angriffen manifestiert. Leider gibt es jedoch noch eine zweite Hälfte des Films, in der sich die etwa 2,20m große Myers aus seiner Nervenanstalt blutig selbst auscheckt, um nach seiner kleinen Schwester zu suchen. Dabei gerät ihm natürlich die ein oder andere Gestalt vor und in die Klinge; hier erleben wir das konventionelle "Halloween", das "so-schon-100-Mal-gesehen-Halloween" der anderen mittelmäßigen Teile der Reihe. Auch wenn die Morde vielleicht ein wenig brutaler sein mögen, verändert sich doch in der Bildsprache nur sehr wenig. Die Schauspieler erfüllen dann gekonnt ihre Mission, was bedeutet, sie brüllen, hauen, stechen und schießen aus Leibeskräften. Wenigstens tun sie dies zu den unschlagbar flotten Klängen des original "Halloween"-Themas.

Die US-Presse zeigte sich von dem Remake nicht überzeugt. Die Washington Post verkündet hämisch: "A film that contains dialogue so nasty and stupid, you'd swear (right along with the characters) that the booker for "Jerry Springer" wrote it (Zombie did)." Variety schreibt: "Leaves nothing to the imagination: Michael Myers is always right there in plain sight, committing mayhem sans suspenseful buildup or mystique." Und im Chicago Reader ist zu lesen: "The set-up is tediously slow, while the later murders are packed so tightly it's like watching a blender on high speed." Die acht Minuten längere Wiedergeburt eines Filmmythos hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, aber das wird die Macht kaum davon abhalten können, Myers in ein paar Jahren wieder auf die Leinwand loszulassen.


Zu viel gewollt – nach grandiosen 30 Minuten erleben wie ein allzu vertrautes und altbackenes Halloween.


Rudolf Inderst